Afrikanische Sorgen der l

Die Außenpolitiker der USA sehen mit einiger Sorge den nächsten Monaten in Afrika entgegen. Vier Gefahrenpunkte zeichnen sich ab: Sansibar, Südrhodesien, Portugiesisch-Angola und Mozambique, wo neue Aufstände ausbrachen, und der Kongo, wo im Sommer das UN-Mandat erlöscht. Staatssekretär Averell Harriman, Washingtons Stardiplomat, wurde zum Leiter der gesamten Afrikapolitik des State Department ernannt, die nun genau so langfristig geplant werden soll wie in Moskau und Peking.

Geradezu alarmiert sind die Westmächte von dem Engagement des Ostblocks in der "Volksrepublik Sansibar". Moskau entsandte einen seiner besten Diplomaten als Botschafter: Dmitrij Tschuwakin, früher in Albanien und Kanada. Etwa fünfzig Techniker und Fachleute aus Ostblockländern sollen noch in diesem Monat die britischen Zivilangestellten ablösen. Die USA müssen ihre Satelliten-Beobachtungsstationen aufgeben. Man befürchtet, daß die Kommunisten Sansibar zu einem "Schaufenster", zu einem "Westberlin" für das unterentwickelte Afrika ausbauen.

Die stärkste Mission des Ostens kommt aus der DDR. Vierzehn Tage lang hielt sich Ulbrichts Sonderbotschafter Wolfgang Kiesewetter auf Sansibar auf. Zur Zeit sind drei Schiffe von Rostock unterwegs, Ladung unbekannt, vermutlich Anlagen für einen starken Propagandasender. Ein Rundfunk-Feldzug von Sansibar aus wäre besonders für das benachbarte Kenia unangenehm, das den Nationalisten eine Angriffsfläche bietet, weil es britischem Militär Vorrechte gewährt. Überdies sind Tausende von Einwohnern land- und arbeitslos.

Der Präsident von Kenia, Jomo Kenyatta, sah sich vorige Woche noch einer anderen Gefahr ausgesetzt. Präsident Nyerere von Tanganjika wollte die Wirtschaftsgemeinschaft mit Kenia, Sansibar und Uganda aufkündigen, falls sein Land weiterhin benachteiligt werde. Kenia ist zwar der wirtschaftlich stärkste Partner dieser Zoll-, Post-, Bahn-, Luftverkehrs-

SA – DDR in vorderster Linie –

und Währungsunion, braucht aber die anderen Länder als Absatzmärkte. Eilig berief Kenyatta die Staatschefs der Union zu einer Konferenz nach Nairobi. Im letzten Moment erfuhr er eine arge Enttäuschung: Aus Sansibar erschienen nicht, wie angemeldet, der prowestliche, gemäßigte Präsident karume, sondern die Minister Babu und Hanga, die mit dem Osten sympathisieren. Ein Zusammenbruch der Wirtschaftunion wurde mühsam verhindert, jedoch erwartet niemand mehr, daß die vor einem Jahr feierlich angekündigte politische Föderation Ostafrikas (25 Millionen Menschen) noch zustandekommt, zumal sich Sansibar darin wie ein Fremdkörper ausnähme.