Ein Grundsatz der Lateinamerika-Politik Kennedys war es, Regierungen, die nicht legal an die Macht kamen, die Anerkennung zu versagen. Johnson hielt sich im Falle Brasilien nicht mehr daran. Er ließ sich von Botschafter Lincoln Gordon, einem Gegner des gestürzten Präsidenten Goulart, überzeugen, daß sich die USA nur durch schnelles Handeln Einfluß sichern könnten. Vergebens erhob Johnsons Berater für Lateinamerika, Thomas Mann, vom Krankenbett aus Bedenken. "Der Heiratsvertrag wurde noch schnell unterschrieben, ehe wir ins Bett schlüpften", mokierte sich ein Beamter im Weißen Haus.

Am Wochenende hatte Johnson allen Grund, seine Vorwitzigkeit zu bereuen. Generale und Admirale hatten ihren Putsch damit gerechtfertigt, daß Goulart den Kongreß entmachten wolle. Nun waren sie es selber, die durch einen "institutionellen Akt" Grundrechte und Parlamentsmandate außer Kraft setzten. 39 Abgeordnete wurden vertrieben, 58 Politiker, wurden für Zehn Jahre ihrer Rechte beraubt. In jeder Stadt machte die Polizei Jagd auf Sozialisten, die allesamt als "Kommunisten’ verdächtigt werden In Brasilia durchsuchten tausend Soldaten die Universität und konfiszierten "jedes Buch, das einen roten Umschlag hatte".

Der gefügige Kongreß wählte zum neuen Präsidenten General Castelo Branco, einen Nur-Soldaten mit gemäßigten politischen Ansichten, Nachkomme einer Literaten- und Offiziersfamilie. Kriegsruhm erwarb er sich 1945 in Italien. Gelingt es ihm nicht, die liberalen, reformfreudigen Kräfte für sich zu gewinnen, muß er eine Konterrevolution von links gewärtigen. Castro kann sich die Hände reiben.