Haust du meinen Schröder, hau’ ich deine CSU – nein, so wollte der Kanzler seine scharfe Erklärung, mit der er sich kämpferisch hinter den Minister des Auswärtigen gestellt hatte, schließlich denn doch nicht verstanden wissen.

Freilich fand er sich zu dieser nachträglichen Interpretation erst bereit, nachdem Franz Josef Strauß sich von jenem "inkriminierten" Artikel in seinem Hausblatt Bayern-Kurier distanziert hatte, in dem behauptet worden war, Schröder sei "nicht der Repräsentant der Grundhaltung der Mehrheit des deutschen Volkes zu den Fragen der Außenpolitik". So fiel es Erhard nicht schwer, erklären zu lassen, seine Attacke ungerechtfertigt und unqualifiziert") habe sich nicht gegen die CSU, sondern nur gegen den Artikel und seinen Autor, das CSU-Vorstandsmitglied Dr. Neuwirth, gerichtet.

Es hat sich also die Aufregung in Bonn wieder gelegt. Und dennoch bleibt, im Rückblick auf diese Miniaturaffäre, zweierlei zu vermerken. Erstens ist der Wirbel, den ein gedanklich und sprachlich allenfalls mittelmäßiger Leitartikel einer nicht eben sehr bedeutenden Regionalzeitung in der Bundeshauptstadt ausgelöst hat, nur dadurch zu erklären, daß allenthalben sofort der Verdacht entstand, Strauß habe (denn "bestellte Arbeit" wurde vorausgesetzt) zum Generalangriff auf seinen alten Widersacher Schröder geblasen. Diese Vermutung fand übrigens noch Nahrung durch die "Bild"-Zeitung, die sich, wie schon bei anderer Gelegenheit erkennbar, auf dem Gebiet der Demagogie dem Politiker Strauß vertraut weiß. Das Blatt präsentierte just im richtigen (oder soll man sagen: koordinierten?) Augenblick ihren Lesern einen "Sündenkatalog" Schröders, in dem sich zwischen Behauptungen und Tatsachen ein überaus seltsames Mißverhältnis ergab.

Zweitens aber läßt sich sagen: Wenn je ein Schuß nach hinten losgegangen ist, dann diesmal. Der bei vielen seiner Politikerkollegen gewiß mehr geachtete als beliebte Schröder hat noch nie so viele Sympathiebekundungen bekommen wie in dem Augenblick, da es so aussah, als solle es ihm an den Kragen gehen. Auf wessen Mist des Autors Neuwirth Artikel auch immer gewachsen sein mag – seine Wirkung ist allein schon deshalb zu loben, weil sie die politische Stellung eines besonnenen, klugen, konsequenten Außenministers beträchtlich gestärkt hat.

Wobei dieser Prestigegewinn durch die Einsicht nicht gemindert wird, daß manch einer in Bonn für Schröder nur deswegen votiert, weil er in jedem Fall gegen Strauß ist. H. G.