Erstaunlich ist die Leistung, die der sechstgrößte Industriegigant der Welt, Europas mächtigster Konzern, die niederländisch-britischen Zwillingsgesellschaften Unilever N.V., Rotterdam, und Unilever Ltd, London, in jedem Jahr vollbringen. Knapp drei Monate nach Beendigung des Geschäftsjahres legt "the most diversified business Organization in the world" – wie die Times Unilever einmal nannte, ihren Abschluß vor. In holländischer, englischer, deutscher und französischer Sprache gedruckt, mit den wesentlichen Bilanzzahlen in sieben Währungen umgerechnet, erfahren die über 200 000 Aktionäre in aller Welt dank einer sich ständig verbessernden Publizität, wie ihr Unternehmen, auf das sie so gut wie keinen Einfluß haben, gearbeitet hat.

Imponierend sind die Zahlen, die im Geschäftsbericht und der Bilanz über die Tätigkeit der 290 000 Mitarbeiter in mehr als 50 Ländern der Erde publiziert werden. Die Tätigkeit der ungefähr 500 Gesellschaften zwischen Burma und Chile, dem südlichen Afrika und dem nördlichen Europa erbrachte im vergangenen Jahr einen konsolidierten Gesamtumsatz von 21,7 Milliarden Mark. Um über 502 Millionen Mark hat sich damit der Gesamtumsatz der Unternehmensgruppe erhöht, nachdem er im Vorjahr um 108 Millionen Mark zurückgegangen war. Stärker noch als der Gesamtumsatz, in dem die Lieferungen innerhalb der Konzerngesellschaften enthalten sind, stiegen die Verkäufe und Leistungen an. Dritte: Sie nahmen 1963 um 646 Millionen Mark oder um 3,9 (Vorjahr 1,9) Prozent auf 17,2 Milliarden Mark zu.

Fast doppelt so kräftig, um 7,9 Prozent, vermochte der Konzern seinen Gewinn zu steigern, der im Vorjahr um 2,2 Prozent gefallen war. Nach Zahlung von um 75 auf 672 Millionen Mark erhöhten Steuern verblieb 1963 ein um 46 auf 626 Millionen Mark gewachsener Reingewinn, aus dem die Vorzugsaktionäre unverändert 45 Millionen und die Stammaktionäre 203 nach 177 Millionen Mark Dividende erhalten. Das entspricht einer fast 16prozentigen "Verzinsung" auf das durch die Ausgabe von Bonusaktien im Verhältnis 3:1 auf 1179 Millionen Gulden erhöhte Stammaktienkapital. Auf das niedrigere Kapital des Vorjahrs waren 18 Prozent gezahlt worden. Die "übrigen" 378 (358) Millionen Mark verbleiben im Konzern und wandern in die Rücklagen, die nun fast doppelt so hoch sind wie das gesamte Aktienkapital von 2 Milliarden Gulden und den wirklichen Rücklagenstand echter widerspiegeln als bei deutschen Unternehmen, bei denen die Bildung stiller Reserven verbreiteter ist.

Stärker noch als in den vergangenen Jahren ist der Konzerngewinn, der mit 3,1 (Vorjahr 2,9) Prozent vom Umsatz fast an das Rekordjahr von 1959 mit 3,3 Prozent heranreicht, im europäischen Geschäftsbereich von Unilever verdient worden. Während der Konzern in der alten Welt vor acht Jahren fast 62 Prozent seiner Gewinne erwirtschaftete, waren es im vergangenen Jahr bereits beinahe 68 Prozent, also mehr als zwei Drittel (bei einem Anteil Europas am Umsatz von 62,5 Prozent).

Der afrikanische Geschäftsraum hingegen hat als Gewinnbringer an Bedeutung verloren, der Anteil ist von 20 auf 9,4 Prozent gesunken. Nord- und Südamerika aber, wo der Konzern verstärkt Fuß gefaßt hat, trugen 1963 schon mit 15 Prozent zum Konzerngewinn bei. Das ist relativ um die Hälfte mehr als vor acht Jahren. Die Gewinnanteile aus den Unternehmen in den übrigen Erdteilen, insbesondere aus Asien, haben mit 7,7 Prozent gegenüber 9,7 Prozent an Bedeutung eingebüßt. Hier haben sich nicht zuletzt die übermäßig hohen Steuern, behördliches Eingreifen und die Inflation nachteilig ausgewirkt. In Burma beispielsweise ist die Regierung soweit gegangen, alle über eine Viertelmilliarde holländischer Gulden hinausgehenden Gewinne mit einem Steuersatz von 99 Prozent zu belegen. In Indonesien haben die Gewerkschaften im laufenden Jahr sogar versucht, die Fabriken und Büros von Unilever in Besitz zu nehmen, so daß sie jetzt unter Aufsicht der Regierung stehen. Kein Wunder, daß die Aussichten in diesem Erdteil nicht so günstig beurteilt werden wie im EWG-Raum und der Freihandelszone, in denen der Konzern besonders stark vertreten ist.

Denn über hundert Fabriken arbeiten in der EWG, wo sich Unilever stärker spezialisieren möchte und für die rund 1200 Markenartikel eine "größtmögliche Uniformität" für das Sortiment, die Verpackung, die Handelsmarken, die Werbung und die Vertriebsmethoden anstrebt.

Insbesondere der deutsche Markt wird umworben, auf dem die Deutsche Unilever Gruppe mit großem Erfolg tätig ist und 1962 bereits einen Gesamtumsatz von über 3,5 Milliarden Mark verzeichnete. Legt man die erfreuliche Umsatz- und Gewinnentwicklung im vergangenen Jahr zugrunde, dann darf man schätzen, daß die deutsche Unilever Gruppe mit ihrem vielseitigen Produktionsprogramm bereits der größte Gewinnbringer des Konzerns in Europa ist. Denn fast die Hälfte des in Europa erzielten Reingewinns, das ist beinahe ein Drittel des Gewinns des Weltkonzerns, dürfte durch die Aktivität auf deutschem Boden erzielt worden sein. Der steigende Wohlstand der Bundesrepublikaner trägt auch hier reiche Früchte. Walther Weber