Es kommt nicht häufig vor, daß industrielle Zeitungsannoncen an zeitgenössische Lyrik erinnern. Wenn die Industrie poetisch wird, äußert sich das meist im Hinblick auf das kulturelle Erbe, und alles reimt sich dann im Tonfall Eichendorffs, auf daß es einem behaglich werde und man Vertrauen fasse zu dem Produkt, das da eingeschmeichelt werden soll.

Gar nicht poetisch, weder traditionsverhaftet noch gegenwartsnah, liest sich das, was Inserenten in Stellenangeboten von sich geben, und so entbehrt es nicht des besonderen Reizes, wenn Olivetti, schon immer der modernen Form im Raum verschworen, in seinen Äußerungen auf dem Stellenmarkt unversehens den Leser an Hans Magnus Enzensberger gemahnt.

Da gibt es eine Anzeige, laut welcher diese Firma "junge Mitarbeiter mit guter Schulbildung zwischen 20 und 27 Jahren" sucht, "deren Wunsch es ist, eine erfolgreiche Verkäuferlaufbahn zu beginnen". Wohin diese Laufbahn führt, sagt dieser Satz: "Das Gehalt des Spezialkundenverkäufers beträgt mehr als 900 DM."

Neunhundert deutsche Mark für einen Spezialkundenverkäufer – ist das nun viel oder wenig? Dazu müßte man erst einmal wissen, was ein solcher Spezialkundenverkäufer tut, und das geht aus dieser Berufsbezeichnung nicht eindeutig hervor.

Zwei Möglichkeiten drängen sich auf: Einmal kann der Spezialkundenverkäufer darauf spezialisiert sein, Kunden zu verkaufen. Doch an wen er sie verkauft und woher er sie nimmt, um sie verkaufen zu können – das erklärt die Anzeige nicht.

Ob Olivetti seine Kunden, die dieser Spezialkundenverkäufer an den Mann bringen soll, Seiber herstellt? Aber nein. Laut Anzeige werden von dieser Firma "hochwertige Maschinen" produziert und vertrieben. Oder sollte die Kybernetik schon so weit sein, daß man nun Maschinen herstellen kann, die sich als Kunden, mithin als Konsumenten für beliebige Artikel in der Volkswirtschaft einsetzen lassen, um die wachsende Produktion zu verzehren? Dann wäre ja das Problem der Konjunktursteigerung gelöst: Man produziert Maschinen, die, selber Kunden, Produziertes aller Art vertilgen.

Doch wiederum nein – Olivetti hat dieses Kolumbus-Ei noch nicht gefunden; der "Spezialkundenverkäufer" muß etwas anderes bedeuten.