Wenn ich der General Franco wäre und die Idee hätte, Spanien sollte einmal, wenn mein Stern verblichen wäre, wieder von einem König regiert werden, da würde ich die Herren Thronanwärter aber hoppeln und springen lassen: "Dreimal um die Baracke, Sprung auf, marsch, marsch!" Oder: "Alle Mann antreten mit dienstfreudigen Gesichtern! Hacken zusammen! Und jetzt lächeln, langsam l-ä-ch-e-l-n!"

Vier Thronanwärter sind es. Und mit vieren kann man schon allerlei anfangen!

Es kann auch sein, daß ich die Thronanwärter nicht alle zusammen um die Baracke hetzte, sondern mehr individuell behandeln würde, wenn ich der General Franco wäre. Der Älteste unter ihnen, Don Juan von Bourbon – der zweite Sohn des Königs Alfons XIII. – ist schließlich schon fünfzig. Ihn würde ich nicht direkt um die Baracke jagen, sondern bloß auf Kommando "Pfui" rufen lassen. Wenn beispielsweise meine Gegner, die sozialistischen und linkskatholischen Spanier, sich in München versammelten und Häßliches über mich sagten, so müßte er, der Don Juan, erklären: "Was ihr da macht, ist wirklich sehr häßlich! Pfui!" So ein Wort aus seinem Munde wäre für mich, wenn ich Franco wäre, besonders pikant, weil ich von meinen Geheimdiensten ja darüber unterrichtet wäre, daß bis dato gerade dieser älteste. Thronanwärter gewisse Sympathien bei meinen Gegnern genoß.

Den drei anderen aber würde ich – um mich der Generalsprache zu bedienen – die Hammelbeine langziehen. Sie sind ja noch jung. Vielleicht, daß ich den Don Alfons, den ältesten Sohn des ältesten Sohnes des Königs Alfons XIII., bloß zweimal um die Baracke schickte. Ich würde wohl berücksichtigen, daß sein Vater (der Don Jaime) nicht nur taubstumm, sondern wohl auch ein bißchen "gaga" ist; sonst hätte wohl der Sohn nebst seinen Brüdern das Schriftstück mit dem Antrag nicht unterzeichnet, er solle entmündigt werden. Wer so etwas mit seinem Vater macht, der auch seinerseits König werden will (der fünfte Anwärter!), kann doch wohl – um es mit den Worten des letzten Sachsenherrschers zu sagen – selber "keen Kenich wärdn." (Kinder, wenn Ihr nich artig seid, kennt Ihr keen Kenich wärdn!)

Um so mehr würde ich, wäre ich Franco, meine Aufmerksamkeit den übrigen beiden Thronanwärtern zuwenden. Da ist der in Italien geborene Sohn des vorgegenannten älteren Don Juan, nämlich Don Juan-Carlos, der auch dadurch bekannt ist, daß er die Prinzessin Sophie von Griechenland geheiratet hat. Und da ist der in Frankreich geborene Hugo-Carlos, übrigens dadurch bekannt, daß er sich mit Irene von Holland verlobt hat.

Natürlich würde ich, wenn ich Franco wäre, mir so meine Gedanken darüber machen, daß der griechischverheiratete Juan-Carlos ein direkter Königsenkel ist, Erbe der "legitimistischen Linie", während der holländisch verlobte Hugo-Carlos Jungführer der "Carlisten" ist, jener Partei, die damals, in einem spanischen Bürgerkrieg, die Partie verloren hat. Bürgerkriege – das wüßte ich genau, wenn ich Franco wäre – muß man gewinnen; sonst haben sie keinen Zweck.

Was also die beiden letztgenannten Thronanwärter betrifft: die müßten mir ein dutzend-, ja vielleicht ein hundertdutzendmal und noch öfter um die Baracke! Das würde mich riesig amüsieren, wenn ich Franco wäre.