In diesem Frühling unseres Mißvergnügens scheint es um den deutschen Namen nicht gut zu stehen. Wenigstens nicht, wo er im Titel von Zeitungen und Zeitschriften vorkommt. Kaum hat man zur Kenntnis genommen, daß die "Deutsche Zeitung" im "Handelsblatt" aufgegangen ist, wird das Ende der "Deutschen Rundschau" bekannt.

Natürlich gehen auch Zeitungen und Zeitschriften mit ganz anderen Namen ein, "Das Schönste" etwa oder "Die Kultur" oder das Hinterheudorfer Kreisblatt vielleicht. Aber das gleichzeitige Ende von "Deutscher Zeitung" und "Deutscher Rundschau" erweckt doch andere Assoziationen, als so allgemeine Begriffe wie Kultur und Schönheit sie hervorrufen.

Das Attribut "deutsch" lenkt nun einmal die Gedanken in historische Bahnen, vollends wenn ein Ende, ein Abschluß es zum Bewußtsein bringt.

Beide Titel, der der "Deutschen Zeitung" wie derjenige der "Deutschen Rundschau", sind vollgepackt mit Vergangenheit bis an den Rand, und es könnte sein, daß eben diese Geschichtsbeladenheit mit dem Tod der beiden Blätter in Beziehung zu setzen wäre.

Beide gingen ein, weil sie sich finanziell nicht rentierten. Mit anderen Worten, weil sie nicht genug Leser hatten, eine zu kleine Auflage, die dann auch für die Anzeigenkunden nicht interessant sein konnte.

Die "Deutsche Zeitung" war eine Nachkriegsgründung. Es hatte denselben Titel im 19. Jahrhundert schon gegeben. Die "Deutsche Rundschau" reichte in dieses 19. Jahrhundert direkt zurück. Sie erschien kontinuierlich von 1874 bis 1942 (als sie verboten wurde) und dann wieder von 1946 bis jetzt.

Das Heft 3 des 90. Jahrganges wurde zum letzten. Es wäre hübsch gewesen, sie bis zum 100. Jahrgang zu bringen, oder doch wenigstens ins Jahr 1970, zum Zentenarium der Bismarckschen Reichsgründung, der sie eigentlich ihren politischen Ursprung verdankte, von der sie ihren Auftrag herleitete. Daß es nicht gelang, zeigt in etwa auch, wie lange dieses Ereignis schon zurückliegt, wie weit wir uns von ihm entfernt haben.