Eugen Dollmann: Dolmetscher der Diktatoren; Hestia-Verlag, Bayreuth, 256 Seiten; 17,80 DM.

Das Champagnerglas war beschlagen. Ich nahm einen Schluck und trat vor den Ankleidespiegel, um die Krawatte zu binden. Es war eine farbenfrohe, übermütige Krawatte. Warum auch nicht! Schließlich war Frühling. Der April dieses Jahres 1937..."

So beginnen die Erinnerungen des Kunsthistorikers Eugen Dollmann, der zehn Jahre lang Dolmetscher zwischen Hitler und Mussolini und zwischen anderen nationalsozialistischen und faschistischen Größen war. So wie der Beginn ist das ganze Buch, eine Sammlung von amüsanten Nichtigkeiten und Anekdoten. An die Erinnerungen des Dolmetschers Paul Schmidt darf man dabei überhaupt nicht denken, der Vergleich wäre unfair. Dollmann hat offensichtlich ganz andere Ziele im Auge gehabt als Schmidt; er will nicht informieren, sondern unterhalten.

Die bedeutende politische Substanz der Schmidtschen Erinnerungen fehlt Dollmanns Buch. Aber dem politisch interessierten Leser hilft es, etwa in der Eisenbahn, eine tote Stunde überwinden. W. W.