Der arabische Burgfrieden, den Präsident Nasser bei der arabischen Gipfelkonferenz im Januar zustande gebracht hat, hielt nicht lange vor Am letzten Wochenende wurde der Radiokrieg zwischen Bagdad und Damaskus wieder aufgenommen. Anlaß waren Aufstinde in mehreren syrischen Städten, die von der Armee mit Artilleriefeuer bezwungen wurden. General Amin el Hafez, Syriens "starker Mann", beschuldigte als Urheber der Unruhen eine ausländische Macht. Es blieb unklar, ob er Irak oder Ägypten meinte.

Mit beiden Bruderstaaten hat das Baathisten-Regime in Damaskus Differenzen. Die Sozialrevolutionäre, panarabische Baathpartei ist der schärfste Rivale des arabischen Sozialismus Nasserscher Prägung. Sie hintertrieb den Versuch Nassers, die ehemalige Vereinigte Arabische Republik, die Föderation zwischen Ägypten und Syrien, wiederzubeleben. Das Prestige der Baathpatei erlitt jedoch schwere Einbußen, als sie im letzten Herbst infolge innerer 2wistigkeiten die Macht im Irak an das Militär verlor.

Hafez konnte eine ähnliche Entwicklung in Syrien durch geschicktes Lavieren zwischen den verschiedenen Parteigruppen einerseits und dem Bazar andererseits verhindern.

Aber schon im Herbst matten kluge Beobachter vorausgesagt, man dürfe sich durch das taktische Zusammenspiel des Generals mit den Bürgerlichen nicht täuschen lassen. Im Herzen sei auch er ein "Sozialisierer". In den letzten Tagen forcierte das Regime in Damaskus den Sozialisierungskurs: Großgrundbesitzer wurden enteignet, Gewerbebetriebe sozialisiert, in verstaatlichten Betrieben eine Arbeiterselbstverwaltung eingeführt. Diese Gesetze und die schlechte Wirtschaftslage (leere Staatskassen, Lebensmittelrationierung) schufen neue Unzufriedenheit, die offensichtlich von Anhängern Nassers, Moslembrüdern, Bürgerlichen und anderen Gegnern des Regimes geschürt wurde. Die Verhältnisse in Syrien bleiben kompliziert wie eh und je.