Aus Schweden kommt die Nachricht, daß über den "Import" amerikanischer Arbeitskräfte für die Automobilindustrie und das Baugewerbe verhandelt wird. Es heißt, daß zunächst eine Gruppe von 50 arbeitslosen Automobilarbeitern aus Detroit und 100 Bauarbeitern nach Schweden vermittelt werden soll. Die schwedische Regierung und die Arbeitgeber wollen die Reisekosten übernehmen, falls die Arbeiter sich verpflichten, wenigstens zwei Jahre im Lande zu bleiben.

Diese Nachricht hat begreiflicherweise einiges Aufsehen erregt und die Frage aufkommen lassen, ob man in der Bundesrepublik möglicherweise einen ähnlichen Weg gehen wird. Victor Reuther, ein Bruder des bekannten amerikanischen Gewerkschaftsführers, hat bereits erklärt, daß er es lebhaft begrüße, wenn von deutscher Seite ein ähnlicher Schritt getan würde. In der Bundesrepublik scheint man sich jedoch bisher noch nicht ernsthaft Gedanken darüber gemacht zu haben. Die Bundesanstalt für Arbeitsvermittlung zumindest äußerte sich auf Befragen recht zurückhaltend. Es ist denn auch ziemlich unwahrscheinlich, daß die deutsche Autoindustrie Reuthers Anregung aufnimmt. Abgesehen davon, daß die Finanzierung der Reise für amerikanische Arbeiter eine erhebliche finanzielle Belastung bedeuten würde, dürfte das Lohngefälle allzu groß sein.

Die amerikanischen Automobilarbeiter verdienen gegenwärtig im Durchschnitt etwa 3,60 Dollar gegenüber einem Durchschnittslohn in der westdeutschen Automobilindustrie von etwa 4 DM (1 Dollar). Solange außerdem die deutschen Unternehmer ihren zusätzlichen Arbeitskräftebedarf auf dem europäischen Markt, wie vor allem in Spanien, Italien, Griechenland und in der Türkei zu günstigeren Bedingungen decken können, werden sie auf das Angebot Victor Reuthers schwerlich eingehen. glp