Steigen die Baupreise in diesem Jahr um zehn Prozent oder etwas weniger? Die Gemüter aller Interessenten haben sich seit Beginn der neuen Bausaison an dieser Frage erregt. Es geht anscheinend nur noch um das Ausmaß der Verteuerung. Daß die Baupreise wieder steil nach oben klettern, wird nicht mehr bezweifelt.

Die Baupreise dürften damit in diesem Jahr um 50 Prozent über denen von 1958 liegen. Soll dieser Entwicklung tatenlos zugesehen werden? Will man warten, bis sich Angebot und Nachfrage von selbst "auspendeln"? Bund und Länder können nachweisen, daß sie die Mittel für den Öffentlich geforderten Wohnungsbau um 600 Millionen Mark gekürzt haben.

Wie steht es mit dem öffentlichen Bau? Alle Welt ist sich darin einig, daß die Zurückhaltung der öffentlichen Hand die beste und wirksamste Art wäre, wie man dem Preisauftrieb entgegenwirken könnte. Der Bund hat durch die Sperre eines Teils seiner Mittel für Bauinvestitionen an der richtigen Stelle angefangen. Vielleicht werden die Länder folgen. Der Bund kann das ihnen zwar nicht verbindlich vorschreiben, aber ein gutes Beispiel wirkt besser als ein behördlicher Erlaß.

Schwieriger dürfte es sein, bei den 24 509 Gemeinden eine maßvolle Baupolitik durchzusetzen. Gerade die Gemeinden haben ihre Bauinvestitionen in den letzten Jahren kräftig ausgeweitet, 1963 allein um 15 Prozent. Schulen, Krankenhäuser und Straßen gehören sicher zu den vordringlichen Bauvorhaben. Es wird aber, wie Bundeskanzler Erhard in der Haushaltsdebatte des Bundestages hervorhob, von den Gemeinden "auch noch einiges andere gebaut, was man füglich zurückstellen" könnte.

Es kommt darauf an, auch öffentliche Verwaltungen wieder unter den heilsamen Zwang der Sparsamkeit zu stellen und zugleich verbindliche Rangfolge für öffentliche Investitionen festzulegen. Das sollte eine der Hauptaufgaben im Konjunkturdämpfungsprogramm der Bundesregierung sein. Es kommt darauf an, daß insgesamt nicht mehr Aufträge erteilt werden, als tatsächlich gebaut werden kann. Sollte der Wohnungsbau, wie man erwartet, in wenigen Jahren um hunderttausend Wohnungen oder mehr zurückgehen, ergäbe sich ein ausreichender Spielraum für mehr öffentliche Bauvorhaben ohne Gefahr für die Baupreise. sim.