Für das Publikum ausgestellt ist jetzt im eindrucksvollen Altertumsmuseum in Rom, den Diokletianthermen, die Mumie des schönen neunjährigen Mädchens, das vor etwa 2000 Jahren starb. Das Kind wurde kürzlich, noch mit Ohrringen und Kette geschmückt, in einem Marmorsarkophag bei Grottarossa an der Via Cassia, einer der nördlichen Konsularstraßen Roms, gefunden. Wie die Chroniken berichten, war jene wohlerhaltene Schöne im Sarkophag vor 479 Jahren schon einmal ausgegraben. Man brachte den Sarkophag im Triumph auf das Kapitol und stellte ihn in einem Palast aus, wohin die Römer zu Tausenden strömten. Maler kamen, um die Formen der Toten abzubilden. Der Platz am Kapitol glich einem Jahrmarkt. Der Papst erschrak über einen solchen Kult der Schönheit und ließ die Tote heimlich wieder bestatten. Es ist möglich, daß es sich um dieselbe Schöne handelt, aber in unserer Zeit nicht mehr um denselben Schönheitskult.