Vor kurzem erreichte uns mit der Bitte um Veröffentlichung ein Protestbrief, den zwölf namhafte amerikanische Professoren unterschrieben haben. Ihr Protest richtet sich gegen das Auswärtige Amt, das die Reise des Hamburger Historikers Fritz Fischer der an 17 Universitäten in USA Vorträge halten sollte, kurzfristig gestrichen hat.

Vorgeschichte: Die Vortragsreise war von der deutschen Botschaft in Washington – wie sich später herausstellte, nicht auf dem vorgeschriebenen Wege – eingeleitet worden. Dieser technische Fehler diente dem Auswärtigen Amt dann mit als Grund für die Absage.

Der wahre Grund aber, so jedenfalls behauptet Fischer, sei sein Buch "Griff nach der Weltmacht", mit dem er die nahezu alleinige Schuld Deutschlands auch am ersten Weltkrieg zu beweisen versucht. Professor Fischer erklärt, das Auswärtige Amt habe ihm zu verstehen gegeben, ein Mann, der eine so eigenwillige umstrittene These vertrete, könne nicht als repräsentativer deutscher Historiker nach Amerika geschickt werden. Nach dem Historikertag in Berlin im Oktober dieses, Jahres könnte man vielleicht daran denken, ihn zusammen mit einem Kollegen, der eine andere Meinung vertrete, reisen zu lassen.

Dieser Beschluß – die Amerikaner charakterisieren ihn als "bürokratischen Hochmut, falsch verstandene Staatsräson und Instinktlosigkeit" – löste einen Sturm der Entrüstung in USA aus. So viel jedenfalls steht fest: Was immer Fischer auch für Thesen in Amerika vertreten wollte, er hätte mit keiner noch so extremen Meinung auch nur halb soviel Schaden anrichten können, wie das Auswärtige Amt mit seiner autoritär anmutenden Maßnahme.

Derzeitiger Stand der Dinge: Die Historiker von einem Dutzend bedeutender amerikanischer Universitäten sind zornentbrannt, wie aus Briefen an Professor Fischer hervorgeht. Wir zitieren aus jedem Brief nachstehend ein paar Sätze. Professor Fischer aber ist inzwischen – von amerikanischer Seite eingeladen – doch noch nach Amerika gereist und hat seine Vortragsreise bereits begonnen. DIE ZEIT