Von Heinz Michaels

Auf dem Flugplatz von Hannover wird in dieser Woche die Deutsche Luftfahrtschau 1964 eröffnet. 280 Firmen aus 15 Ländern stellen dort aus. Die Ausstellung wirft wieder einmal die Frage auf: Hat die deutsche Luftfahrtindustrie im internationalen Wettbewerb überhaupt eine Chance?

Mit dem Mut der Verzweiflung haben sich die Hamburger Flugzeugbauer in ein Experiment gestürzt, das Anerkennung verdient: Sie bauten das erste deutsche Düsenflugzeug für den zivilen Flugverkehr – ein Geschäftsreiseflugzeug für sieben bis zwölf Personen, das sie auf den Namen HFB 320 "Hansa" tauften. Das Hamburger Experiment ist – wenn man von den Klageliedern absieht – eines der wenigen Zeichen für unternehmerische Initiative in der deutschen Luftfahrtindustrie.

Die Bundesregierung honorierte denn auch den hanseatischen Wagemut: Von den 17,8 Millionen Mark, die der Bundeshaushalt im letzten Jahr für Entwicklungskredite zur Verfügung stellte, sind 11,4 Millionen Mark in die Kassen der Hamburger Flugzeugbau GmbH geflossen. Die Hamburger hatten allerdings aus eigener Tasche schon etwa 19 Millionen Mark in die Entwicklung gesteckt.

Gegenüber ihrer Glanzzeit vor knapp 30 Jahren ist die deutsche Luftfahrtindustrie heute nur noch ein schwacher Abglanz ihrer selbst. In den Jahren, als sie von Hermann Göring den Auftrag hatte, die neue deutsche Luftwaffe auszurüsten, wartete sie am laufenden Band mit spektakulären Erfolgen auf: Sie baute den schnellsten Jäger (Messerschmitt Me 109) und den schnellsten Bomber (Junkers Ju 88), sie entwickelte das erste Düsenflugzeug (Heinkel He 178) und das erste Flugzeug mit Raketenantrieb (Heinkel He 176).

Forschungsarbeit erspart

Aus ihren Werkstätten kam an zivilen Maschinen nicht nur die "alte Tante Ju", wie die Piloten die Ju 52 liebevoll nannten, die in vielen Ländern der Welt flog, sie produzierten auch das schnellste (Heinkel-Blitz) und das größte Verkehrsflugzeug (Junkers G 38) der damaligen Zeit.