Von Thilo Koch

Hier steht man so etwa in der Mitte der Vereinigten Staaten. Omaha ist ungefähr gleich weit von Kanada und dem Golf von Mexiko entfernt. Von der Ostküste, von Washington aus, fliegt man vier bis fünf Stunden, mit Umsteigen in Chikago. Westwärts müßte man die Rocky Mountains überwinden,, um zur Westküste, zum Pazifischen Ozean zu kommen. Omaha liegt im Staate Nebraska, aber gleich über den Missouri hinüber ist man in Iowa. "Das alles ist Beef-Country", sagt Major Deare, "aber Sie wissen, es sind nicht Ochsen, Kühe oder Kälber, was Omaha zu einem Begriff gemacht hat, der in der Weltpolitik eine Rolle spielt."

Die US-Luftwaffe wählte Omaha zum Sitz ihres Strategischen Hauptquartiers (Strategie Air Command, abgekürzt "SAC"), weil dieser Ort so zentral liegt. Außerdem ist hier zwischen Prärie und Rockies das Klima gut, der Himmel klar. Etwas mehr zum Gebirge hin, in Colorado Springs, hat die amerikanische Luftverteidigung ihr großes wachsames Auge aufgeschlagen; dort ist das Hauptquartier von NORAD, von dort erhält SAC seine Informationen über alles, was am Himmel Nordamerikas, zwischen den beiden Kontinenten Asien und Amerika, vor sich geht. NORAD ist das Zentrum der Luftverteidigung, SAC das Gehirn für den strategischen Einsatz der amerikanischen Luftwaffe. Will man sich eines gängigen Bildes bedienen, so dürfte man sagen, daß NORAD das Schild und SAC das Schwert der Vereinigten Staaten in einem Luftkrieg der Zukunft sein würde.

Mit der oftmals so entwaffnenden Offenheit der Amerikaner zeigt ein grünes Straßenverkehrsschild an, wo man – etwa zehn Meilen südwestlich der Stadt Omaha – abbiegen muß, um zum SAC zu kommen. Soweit das Hauptquartier der Luftwaffe sichtbar auf der Oberfläche liegt, ist es ein weitläufiger Gebäudekomplex, die Verwaltungsbauten des strategischen Luftkommandos, dazu Kantinen und Wirtschaftsgebäude, dahinter ein Flugplatz, auf dem jedoch nur Tanker stehen, die riesigen KC-135, von denen die Luftwaffe 500 Stück hat. Sie können die Flugzeit der Bomber durch Tankmanöver in der Luft verdoppeln und verdreifachen. Die Atombomber selbst, die eigentlichen Träger der atomaren Höllenlasten, stehen woanders – in Bergstroem in Texas oder in Westover in Massachusetts und natürlich in Übersee, zum Beispiel in Torrejon bei Madrid, in Brize Nörten bei London, in Guam, in Labrador, Neufundland, Hawai, Puerto Rico, Alaska und anderen Punkten des Globus.

Luftflotte der Giganten

Betrachtet man die 75 SAC-Basen auf einer Weltkarte, dann versteht man besser, warum die Sowjetunion, warum der kommunistische Block gelegentlich von einer "Einkreisung durch die Imperialisten" sprechen. SAC verfügt über 600 Bomber vom Typ B-47, die nach und nach aus dem Dienst gezogen werden, über 600 B-52-Bomber, die noch immer als zuverlässiges Rückgrat der Abschreckungsstrategie betrachtet werden und über 80 B-58-Hustlers, die eine erheblich größere Geschwindigkeit erreichen. Die Hälfte dieser gigantischen Flugzeuge, die über acht Düsentriebwerke verfügen, ist ständig in Alarmbereitschaft. Dies bedeutet, daß die Mannschaften bei ihren Maschinen leben, 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche. Natürlich werden sie regelmäßig abgelöst.

Sind bemannte Flugzeuge überholt? Durch die Erklärung Präsident Johnsons, daß die Vereinigten Staaten über einen neuen Flugzeugtyp A-ll verfügen, der bereits die dreifache Schallgeschwindigkeit erreicht, ist diese Diskussion neu belebt worden. Verteidigungsminister Robert McNamara ist der Ansicht, daß mit dem Ende der sechziger Jahre mehr oder weniger auch das Ende der bemannten Kriegsflugzeuge gekommen sei. Die Luftwaffe, SAC an der Spitze, sagt: Dies trifft durchaus nicht zu – für absehbare Zeit müssen wir immer bessere und schnellere Flugzeuge neben den Raketen behalten. Sie weist darauf hin, daß auch die Sowjets sich bei ihrer Luftstrategie auf etwa 1000 Bomber stützen und nicht so sehr auf ihre etwa 150 Kontinentalraketen.