Von Horst Vetten

Der Mann, der Sepp Herbergers Nachfolger werden wird, weigert sich strikt, Antrittsreden zu halten. Helmut Schön weicht dahinzielenden Fragen nicht etwa aus, er verbittet sie sich von vornherein. Das ist eine Mischung aus Takt und Diplomatie. Es erinnert an ein Revirement, das sich jüngst in der deutschen Politik vollzogen hat. In der Tat: wie sich die Vorzeichen gleichen!

Noch ist im deutschen Fußballsport der Mann am Ruder, den der Volksmund so oft mit dem alten Herrn in Rhöndorf verglichen hat, er gab ihm sogar dieselben Namen: "Der Alte", "Der Schweiger", "Der Einsame". Sein bevorstehender Rücktritt ist bekanntgegeben, der Zeitpunkt fixiert, der Nachfolger benannt. Aber der Alte regiert noch, und sein Nachfolger schweigt. Der Alte gibt noch wichtige Erklärungen ab: "Nie waren wir mit dem Aufbau der Nationalelf so weit wie jetzt." Der Nachfolger vernimmt es und schweigt. Der verblüffte Zeitgenosse fühlt sich an ähnliche Vorgänge letzter Zeit erinnert, schlägt nach und findet sie unter dem Stichwort "Kanzlerwechsel" verzeichnet.

Jener Nachfolger auf politischem Parkett hat zu jener Zeit ebenso widerwillig Interviewern Antwort gestanden wie jetzt sein sportliches Pendant auf der Fußballbühne. "Keine Thronrede des Kronprinzen", bittet sich Helmut Schön aus.

Er tut das nicht nur, weil er den Zeitpunkt für ungeeignet hält, es spielt auch seine Abneigung mit, eine solche Rede überhaupt zu halten. Wahrscheinlich wird er sie nie halten.

Dabei spricht er sonst über alles und jedes; zurückhaltend, oft zögernd, dann unversehens temperamentvoll äußert er sich zu allen Fragen (Thema 1 ist ja ausgeklammert).

Über sich selbst: "Ich suche zuerst den verbindlichen Weg. Ich kann auch hart sein. Ein Fußballtrainer muß hart sein können. Aber vor der Härte steht das Bemühen um angenehme Zusammenarbeit. Der Kamerad erreicht mehr als der Feldwebel."