Die Unterzeichner, Professoren für neuere (vorwiegend deutsche) Geschichte an amerikanischen Universitäten, möchten Ihre Leser kurz über einen Vorgang informieren, der zur Zeit die deutsch-amerikanischen kulturellen Beziehungen trübt. Es handelt sich um die plötzliche Absage einer seit Sommer 1963 geplanten Vortragsreise des bekannten Hamburger Historikers Fritz Fischer, Autor des bedeutenden und umstrittenen Buches „Griff nach der Weltmacht“.

Diese Reise war vom Goethe-Institut, München, und der Kulturabteilung des AA, Bonn, für März 1964 geplant; etwa zehn Termine an führenden Universitäten waren auf Grund des Angebots der German Information Agency New York, oder der regionalen Generalkonsulate festgesetzt. Anfang Februar wurde die ganze Reise plötzlich abgesagt, erst mit dem fadenscheinigen Vorwand einer Kürzung des Etats, später – in schlecht verhüllter Weise – mit der Begründung, die Darlegung von Professor Fischers einseitigen Thesen zum Kriegsausbruch 1914 und zur Kriegszielfrage während des 1. Weltkrieges waren zur Zeit inopportun. Die Proteste amerikanischer Historiker bei den verschiedenen Generalkonsulaten blieben wirkungslos.

Die Haltung der zuständigen Bonner Stellen in dieser Angelegenheit zeigt eine unglückliche Mischung von bürokratischem Hochmut, falsch verstandener Staatsräson und Instinktlosigkeit gegenüber der Reaktion des Auslandes. Man kann nur mit Bedauern feststellen, daß gerade diese Eigenschaften bei den nicht immer glücklichen deutsch-amerikanischen Beziehungen der Vergangenheit eine verhängnisvolle Rolle gespielt haben.

Wir möchten hinzufügen, daß daraufhin die betroffenen amerikanischen Universitäten mit Hilfe des American Council of Learned Societies die finanziellen Mittel flüssig gemacht haben, die es Professor Fischer ermöglichen werden, seine lang geplante Vortragsreise trotz aller Widerstände durchzuführen. Es braucht kaum gesagt zu werden, daß die schwärende Wunde in den kuturellen Beziehungen dadurch keineswegs geheilt wird.

Gordon Craig, Stanford University

Klaus Epstein, Brown University

Hans Gatzke, John Hopkins University