Von Werner Höfer

Wie der Wellenschlag eines friedlichen Binnensees dringen Rede und Gegenrede aus dem Plenarsaal herüber zum Ministerflügel des Bundeshauses, wo dem Kanzler und dem Kabinett einige Gemächer zur Verfügung stehen, bescheiden in Größe und Einrichtung, vergleichbar den Garderoben, die in großen Theatern oder Sportarenen auf den reisenden Star warten, weniger zum Wohnen und Arbeiten als zum flüchtigen Verweilen geschaffen. Die meisten Minister müssen ihr "möbliertes Zimmer" im Hause der Volksvertretung mit einem Kollegen teilen. In Kurt Schmückers, des Jung-Ministers, Stübchen ist Alt-Minister Theodor Blanck der "Stubenälteste", und ruhig fließet der Rhein – vorbei an der Rückfront des Bundeshauses.

Der Bundeswirtschaftsminister, nicht gerade der Schlanksten einer, hat an einem der großen Tage des Parlaments, während der Haushaltsdebatte, in zügigem Spurt die Kurzstrecke zwischen Ministerbank und Ministerzimmer zurückgelegt, um in einer "Betriebspause" Auskunft zu geben über seine jüngsten Reisen nach Genf, Washington und Brüssel.

"Zuerst eine Frage zur Steuer, obwohl Sie nicht der Finanzminister sind: Sind Sie mit der Steuerreform einverstanden, wie sie das Kabinett, während Sie die Bundesregierung im EWG-Ministerrat vertraten, beschlossen hat?"

"Wie sollte ich nicht! Schließlich habe ich jahrelang als Abgeordneter dafür gekämpft."

Man merkt Kurt Schmücker die Freude an, daß vor allem der Mittelstand, als dessen Sprecher er häufig aufgetreten ist, nun mit Erleichterung rechnen kann – denn: Der Bauch soll weg, der Mittelstandsbauch ...

"Der Staatsbürger erwartet vom Bundeswirtschaftsminister, daß er über die Währung wacht. Unsere Währung scheint bedroht durch das, was man die importierte Inflation’ oder inflationäre Einkreisung’ nennt. Wie ist im Augenblick innerhalb der EWG das Gefälle in der Währungs-Stabilität?"