Wenn dies das Ergebnis der deutsch-französischen Zusammenarbeit in Fernsehsachen sein sollte – Muse, verhülle dein Haupt! Es wurde am Sonntagabend im Ersten Programm unangekündigt und nebenbei eine Produktion der Pariser Television geboten, wie sie alberner nicht hätte sein können. Wer so was importiert, gerät in Verdacht, er wolle die deutsch-französischen Kulturbeziehungen boykottieren. Wenn auch das Pariser Fernseh-Programm im Durchschnitt viel schlechter ist als das deutsche, so ist es doch in den seltenen Spitzenleistungen haushoch besser. Und das wüßten unsere Programm-Macher nicht? Unmöglich! Sollten sie bei diesem Sonntag-Import nicht ganz absichtlich einen schlechten Scherz getrieben haben, dann hat es sich um ein wirklich schlimmes Versehen gehandelt. Dann haben sie eine "Katze im Sack gekauft". Unverzeihlich.

Anschließend aus Köln die Sendung ". .. und wieder Chansons". Aber wer ist es denn, der dem tapfer-sympathischen Karl Schönböck die "feuilletonistischen" Worte in den Mund legt: die "heiteren", die "bedeutenden", die gequält "charmanten", die "belehrenden"?

Es ist schon Gassenweisheit, daß "leichte Kunst" schwer zu machen sei. Jedes Fernsehspiel, jeder aktuelle Bericht kann derart mißraten, daß er Widerspruch erregt. Und doch haben sie – Lob den einschlägigen Fachleuten! – meist immer soviel Substanz, daß man sich wenigstens darüber streiten kann. Aber über das "Unterhaltsame" dieser Art kann man sich nicht einmal unterhalten!

Beim Fernsehen und Funk geht es darum, die verrinnende Zeit, die kostbare, mit Inhalt (oder Inhalten) zu füllen. Falsche Inhalte mögen schlimm sein; schlimmer ist Langeweile. Daß oft die Langeweile keine andere Ursache hat als Stillosigkeit, dafür war diese Sendung ein Beispiel. Glaubt denn wirklich einer, der den Erich Kästner und den Walter Mehring kennt, ihnen wäre damit gedient, daß ihre "Chansons" lehrhaft dem werten deutschen Volke vorgestellt würden?

Und daß man Chansons in einen "historischen" Rahmen" spannt, ist schlechterdings unerträglich. Man nehme einen Schmetterling; man streife ihm mit Aufwand unverhältnismäßig großer Kosten den Blütenstaub von den Flügeln; man lasse ihn im Fernsehen fliegen. Das Stichwort heißt in solchen Fällen: "Wir machen diese Sache hübsch feuilletonistisch ..."

Die Verantwortlichen für die "leichte Muse" sagen mit Recht, daß die eine Fernseh- (oder Funk-)Minute so kostbar sei wie die andere (denn Millionen Menschen würde man sonst die Zeit stehlen). So sagen sie. Und dann suchen sie "hübsche Themen" und "erstklassige Kanonen" aus (wie die mit jeder französischen Diseuse wettbewerbsreife Ursula Noack oder die für jede Sorte echter Kleindramatik befähigte Mady Rahl). Hübsch in den sanften Ofen der Fernsehbäckerei damit! Noch einen Schritt weiter, und wir hätten eine gute Sendereihe: "Fernsehen für Dämliche"! O. C.