Mit glanzenden Abschlüssen über das Geschäftsjahr 1963 sind in diesen Tagen die drei großen Nachfolgegesellschaften der IG Farben herausgekommen. Die Kommentare der Verwaltungen unterscheiden sich nur in Nuancen: Strahlende Zufriedenheit in Hoechst, in Ludwigshafen und in Leverkusen. Und das nicht ohne Grund: Die Zuwachsraten liegen bei allen drei Gesellschaften wiederum erheblich über dem Durchschnitt der chemischen Industrie; darüber hinaus "stimmt auch die Kasse". Die drei Konzerne haben im vergangenen Geschäftsjahr gut, um nicht zu sagen sehr gut verdient. In der Pressekonferenz der Farbwerke Hoechst bezeichnete der Vorstandsvorsitzende, Prof. Dr. Karl Wmnfahrendes Schiff". In den Verwaltungen der anderen beiden großen Nachfolge Konzerne der Auf 1000 RM IG Farben Aktien erhielt der Aktionär bei der Entflechtung: 250 — DM Aktien der BASF Heutiger Kurswert 1450 — Bezugsrechfe 332 — 1782 —DM 285 — DM Aktien der Farbenfabriken Bayer Heutiger Kurswert 1682 — Bezugsrechte 310 — 1992 —DM 210 — DM Aktien der Farbwerke Hoechst Heutiger Kuiswert 1155 — Bezugsrechte 347 — 1502 —DM 25 —DM Aktien der Cassella AG.

Heutiger Kurswert 138 — 138 —DM 70 — DM Aktien der Rheinischen Stahlwerke Heutiger Kurswert 168 — Bezugsrechte 46 — 214 —DM 60 — DM Aktien der Chemie Verwaltung Heutiger Kurswert 225 — Zusatzaktien 112 — 337 —DM 1 Liquidiiatsanteilschein Heutiger Kurswert 5 — DM 5970 — DM früheren IG Farben war man zwar weniger zu bildlichen Vergleichen aufgelegt, aber auch die Erfolge, welche die Farbenfabriken Bayer AG, Leverkusen, und die Badische Anilin- & Sodakönnten unter der gleichen Formulierung laufen. Hoechster Farben haben 1963 das "bisher beste Jahr" erlebt; in der Pressekonferenz der BASF hieß es zu diesem Thema "wir lieben keine Superlative", aber aus anderen Äußerungen des Vorstandsvorsitzenden, Prof. Dr. Carl Wurster, ging ziemlich eindeutig hervor, daß das bisherige Spitzenjahr der Gesellschaft, das Jahr 1960, keinen einmaligen Höhepunkt mehr in den Annalen des Unternehmens darstellt. Das trifft für Bayer nach den Worten von Vorstandsvorsitzenden Prof. Dr. Kurt Hansen nicht ganz zu, 1960 bleibt unerreicht, aber das bedeutet nicht, daß das Leverkusener Unternehmen schlechter dasteht als die beiden anderen der großen Drei in der deutschen Chemiewirtschaft.

Mit einer Zuwachsrate von 11 3 Prozent schießt die BASF bei einem Unisatzvergleich der drei Konzerne den Vogel ab. Der Umsatz der BASF stieg um 9 8 Prozent, von Bayer um 10 7 Prozent. Von dem Durchschnitt der chemischen Industrie in der Bundesrepublik — die ihr Umsatzvolumen um knapp 8 Prozent ausweiten konnte — weichen die Farben Nachfolger also erneut mehr oder weniger stark nach oben ab.

Indessen sind die ansehnlichen Verkaufserfolge nicht leicht zu erringen gewesen. Die Konkurrenz insbesondere im Inland habe sich eher verschärft, hieß es bei den Farbwerken Hoechst, und der schon in den Vorjahren zu beobachtende Druck auf die Preise hat sich weiter fortgesetzt. Nach der Rechnung des Hoechster Chefs hat das Frankfurter Unternehmen im Berichtsjahre eine Umsatzminderung auf Grund von Erlösruckgängen in Höhe von 85 Millionen gehabt. Auch Bayer berichtet von anhaltend scharfem Wettbewerb, der sich in einem Rückgang der Verkaufspreise um durchschnittlich 4 8 gegenüber 3 6 Prozent im Vorjahre niederschlug. Nochmals ist deshalb die Steigerung der Versandmengen mit 13 5 Prozent erheblich höher gewesen als die Zuwachsrate des Wertumsatzes. In den Jahren von 1959 bis 1963 haben die Farbenfabriken Bayer — so wurde in der Pressekonferenz mitgeteilt — auf Grund von Preissenkungen rund l Milliarde weniger in der Kasse gehabt. Allerdings dürften hieran auch gewollte Preissenkungen (was ja gelegentlich vorkommen soll!) ihren Anteil haben, und damit verliert diese recht beachtliche Summe doch etwas an Gewicht. Die Anteile der einzelnen Sparten am Gesamtumsatz haben sich bei Bayer im Berichtsjahre nur unwesentlich verschoben. Auf Chemikalien entfallen unverändert 44, auf Farben und Fasern 28 (27), Pharma und Pflanzenschutz 14 (15) und Photo ebenfalls 14 Prozent. Eine Ausnahme von der rückläufigen Entwicklung der Preise am Chemiemarkt gab es offenbar m Ludwigshafen. Die Mengenzunahme des BASF Umsatzes lag mit 10 Prozent sogar leicht unter dem Anstieg des Wertumsatzes. Allerdings habe man auch hier Preissenkungen vornehmen müssen, aber: "Wir haben jetzt mehr edlere Dinge hat im vergangenen Geschäftsjahr doppelt soviel neue Produkte auf den Markt gebracht wie alte aus dem Sortiment gestrichen wurden. Es werde aber immer noch weiter geputzt, hieß es dazu in der Pressekonferenz.

Alle drei Gesellschaften waren erneut mit beachtlichen Erfolgen im Exportgeschäft tätig. Die Zuwachsraten wurden sogar weitgehend durch überdurchschnittliche Absatzsteigerungen auf den Auslandsmärkten erzielt. Im Gegensatz zu anderen Branchen der deutschen Industrie kann sich die Chemie nicht über schwierige ExportVerhältnisse beklagen "Für uns ist der Export Bayer Chef Prof. Hansen. Mit einem Anteil von 48 6 Prozent — das entspricht einer 16 2prozentigen Steigerung — erzielt das Leverkusener Unternehmen nunmehr fast die Hälfte seines Umsatzes auf Auslandsmärkten. Damit ist auch der Bayer Anteil am Gesamtexport der Bundesrepublik auf 3 6 (3 4) Prozent gestiegen. Der Export der Inlandsgesellschaften des Hoechst Konzerns nahm um 17 4 Prozent auf 1 12 Milliarden DM zu und erreichte damit einen Anteil von 34 Prozent des Inlandsumsatzes. Prof. Winnacker begründete die starke Zunahme des Auslandsgeschäftes — die sich in den ersten Monaten des neuen Geschäftsjahres fortgesetzt hat — mit dem seit Jahren betriebenen systematischen Ausbau der ausländischen Produktions- und Vertriebsgesellschaften. Farbstoffe und Farbstoffvorprodukte, Arzneimittel und Kunststoffe sind die Hauptträger des Hoechster Auslandsgeschäftes. Bei der BASF betrug der Exportanteii am GcIn unmittelbarem Zusammenhang mit den Verkaufsziffern ist der Forschungsaufwand der Werke zu sehen, der gerade in dieser Branche gleichrangig neben ebenfalls hohen Investitionskosten steht. Mit 4 5 Prozent vom Umsatz bei Bayer, 4 9 bei BASF und 4 1 Prozent bei Hoechst weisen die Farben Nachfolger hohe Kosten für die Sicherung des Absatzes von morgen aus, die in anderen Branchen in dieser Höhe nicht üblich sind. Die Bedeutung dieses — im übrigen nicht nur finanziellen — Einsatzes wird sichtbar, wenn man weiß, daß Bayer fast 60 Prozent seines Umsatzes mit Erzeugnissen erzielt, die erst in den letzten zehn Jahren entwickelt worden sind. In absoluten Beträgen machte der Forschungsaufwand in den drei Gesellschaften im vergangenen Jahr 428 3 Millionen aus — davon 152 3 bei Bayer, 130 bei BASF und 136 bei Hoechst. Das ist fast so viel wie der für die Aktionare bestimmte Ausschüttungsbetrag, der im Berichtsjahre 432 9 Millionen DM beträgt.

Das Bild der Mengenkonjunktur, das nun schon fast zur lieben Gewohnheit am Chemiemarkt gehört, wird bei den drei großen Gesellschaften keineswegs dadurch getrübt, daß etwa nicht gut verdient worden wäre. Es darf wohl davon ausgegangen werden, daß das in 1963 erwirtschaftete Ergebnis weitgehend mit der Umsatzentwicklung Schritt gehalten hat. Der Ertrag habe sich nicht schlechter entwickelt als der Umsatz, erklärte m Ludwigshafen Prof. Wurster, wobei er durchblicken ließ, daß sich die Relation möglicherweise sogar zugunsten der Ertragslage verschoben habe. Bemerkenswert ist dabei die Tatsache, daß das höhere Umsatzvolumen mit einer nur um 1 7 Prozent gestiegenen Belegschaftszahl erzielt werden konnte. Der Produktivitätsfortschritt ist bemerkenswert, wenn auch der finanzielle Erfolg dieser Entwicklung dadurch beeinträchtigt wird, daß der Aufwand für Löhne und Gehälter trotzdem um 8 6, die sozialen Abgaben sogar um 11 4 Prozent gestiegen sind. Die gleiche Tendenz ist bei den anderen beiden Unternehmen zu verzeichnen. Um 1 9 Prozent vergrößerte sich die Belegschaft bei Bayer, und um 2 5 Prozent bei Hoechst.

Die Aktionäre partizipieren diesmal bei keinem der drei Unternehmen an der verbesserten Ertragslage. Es bleibt wiederum bei einer Ausschüttung von 18 Prozent. 1963 hat zweifellos die innere Stärkung der Unternehmen bei den Farben Nachfolgern sehr weit im Vordergrund gestanden. Offen sichtbar sind in Leverkusen neben dem Dividendenbetrag von 150 3 Millionen 66 8 (50 2) Millionen DM für die freie Rücklage aus dem Gewinn abgezweigt worden. BASF stellt 53 (40 7) Millionen DM in die Rücklagen ein, ausgeschüttet werden 144 Millionen. Und die Farbwerke Hoechst, die für die Dividende 138 6 Millionen gebrauchen, weisen eine — saldierte — Rücklagendotierung von 19 2 (0 8) Millionen DM aus.