Bei den Beschlüssen über die Einkomnensteuerreform 1964 sind nun auch die Würfel über den Entwurf zur Harmonisierung der Sparförderungsmaßnahmen gefallen. Erfreulich ist, daß die Bundesregierung dabei wieder auf den Pfad rechtsstaatlicher Tugend zurückgekehrt ist (siehe ZEIT Nr. 12/64). Von den vorgesehenen Änderungen, auch soweit sie eine Verschlechterung gegenüber dem bisherigen Zustand bedeuten – wie etwa der Fortfall der Kumulierungsmöglichkeit von Spar- und Wohnungsbauprämien –, sind nur solche Sparverträge betroffen, die nach dem 31. Dezember 1964 abgeschlossen Verden.

Bei Vertragsabschlüssen bis Ende dieses Jahres bleibt es also auch künftig bei den zur Zeit geltenden Bestimmungen. Dasselbe trifft für die Abzugsfähigkeit von Bausparbeiträgen als Sonderausgaben bei der Einkommensteuer zu. Ab 1. Januar 1965 soll die Sperrfrist für neu abgeschlossene Verträge von sechs auf zehn Jahre erhöht werden, Beiträge hieraus können nur noch bis zum 31. Dezember 1972 abgezogen werden, soweit der Abschluß vor dem 1. Januar 1968 erfolgt.

Die Vereinheitlichung der Sparförderung wird in Etappen durchgeführt. Bis zum 31. Dezember 1972 gelten noch unterschiedliche Höchstleistungen für die Sparsummen, während die Prämiensätze bereits ab 1965 vereinheitlicht werden. Auch wird vorläufig die Sperrfrist noch fünf Jahre für Sparprämien und sechs Jahre für Wohnungsbauprämien betragen.

Im einzelnen ergibt sich folgendes Bild:

Hinzuzufügen ist, daß für Unverheiratete mit Kindern dieselben Prämiensätze wie für den entsprechenden Personenkreis der Ehepaare gelten sollen.

Bei der Neuregelung fällt vor allem die außerordentlich starke Differenzierung der Vergünstigungen nach Familienstand und Kinderzahl auf. Zweifellos haben hierbei familienpolitische Erwägungen den Ausschlag gegeben. Auf den ersten Blick scheint das durchaus berechtigt zu sein, analog etwa der steuerlichen Entlastung durch die Kinderfreibeträge bei der Einkommensteuer. Bei näherer Betrachtung wird allerdings ein für den Bereich der Sparförderung, insbesondere des Bausparens, spezifisches Problem sichtbar, das eine Staffelung bei der Sparförderung ähnlich der einkommensteuerlichen Regelung in einem anderen Licht erscheinen läßt.

Nach Mitteilungen der öffentlichen und privaten Bausparkassen sind nämlich rund 60 Prozent der Bausparer entweder noch ledig oder Ehepaare ohne Kinder. Mit anderen Worten: die zum Bausparen verfügbaren Mittel sind in dem Lebensabschnitt am größten, in dem das heute auch bei jüngeren Menschen oft schon beträchtliche Einkommen noch nicht durch die Aufwendungen für die Familie belastet ist.