Wenn zwei das gleiche tun, ist es noch lange nicht dasselbe. Als der Landrat Zerbe aus Bad Hersfeld im Januar vorgeschlagen hatte, an der Zonengrenze sollten die Möglichkeiten für einen kleinen Grenzverkehr erkundet werden – und zwar in Gesprächen auf kommunaler Ebene, da war ihm der gesamtdeutsche Minister hart in die Parade gefahren: Er möge die große Politik andern überlassen.

Letzte Woche hat sich nun Erich Mende offiziell für den kleinen Grenzverkehr ausgesprochen. Die Amts- und Rechtshilfe zwischen den kommunalen Dienststellen diesseits und jenseits der Zonengrenze sollte wiederhergestellt werden. Man sei zu großzügigen Regelungen bereit. Woraus denn deutlich wird, daß ein Vorschlag hierzulande, soll er etwas gelten, mindestens von einem Minister vorgebracht werden muß.

Bei diesem Vorschlag geht es offenbar um zweierlei. Erstens um den eigentlichen Grenzverkehr, wie er noch bis 1952 bestand. Damals war die Zonengrenze für die Anrainer – Bauern, die auf der anderen Seite ihre Felder hatten, Pendler, die drüben ihrer Arbeit nachgingen – noch einigermaßen passierbar. Zweitens geht es um die technischen Kontakte, die im wesentlichen noch bis 1958 bestanden. Die Grenzgemeinden arbeiteten zusammen bei der Wasserversorgung, bei der Feuerbekämpfung und bei ähnlichen kommunalen Gemeinschaftsaufgaben. Diese Kontakte wurden von Ostberlin mit dem Argument abgebrochen, diese Angelegenheiten müßten von den Regierungen beider Länder geregelt werden.

Es gibt indes einige Anzeichen, daß solche technischen Kontakte wieder angeknüpft werden können. Die Räte der DDR-Kreise Bad Salzungen und Lobenstein haben die Landräte in Bad Hersfeld und Kronach zu Gesprächen über technische Fragen eingeladen. Und es ist gut, daß Bonn diese Kontakte im Prinzip befürwortet. War es aber sinnvoll, diese bescheidene Aktion mit einer gesamtdeutschen Fanfare anzukündigen?

Schon erhielt Mende aus Ostberlin die Antwort, erst müßten die Beziehungen zwischen den beiden deutschen Staaten normalisiert werden, und auch die Kritiker in der Bundesrepublik meldeten sich zu Wort: Es drohe der Ausverkauf deutscher Rechtspositionen. Es zeigt sich wieder einmal, daß der gesamtdeutschen Politik durch Proklamationen wenig gedient ist. Anders ausgedrückt: Keine Fanfaren, bitte!

R. Z.