DÜSSELDORF (Kunstmuseum):

"Italienische Handzeichnungen des Barock"

Das Düsseldorfer Kunstmuseum besitzt in seinem Kupferstichkabinett eine der größten Sammlungen italienischer Handzeichnungen, die den Vergleich mit dem Louvre, der Albertina und Schloß Windsor aushalten kann. Nur wenige Kenner wußten von diesen sagenhaften Schätzen, die dort seit über zweihundert Jahren ruhen. Der Düsseldorfer Maler und Sammler Lambert Krahe hatte, bevor er 1756 als Galeriedirektor nach Düsseldorf kam und hier später die Kurfürstliche Kunstakademie gründete, zwanzig Jahre in Rom gelebt und als passionierter Sammler ganze Nachlässe römischer Künstler aufgekauft, dazu Konvolute anderer italienischer Schulen, zeitgenössische Arbeiten und Werke des 17. Jahrhunderts. Er hat seine Sammlung später der Kunstakademie verkauft, 1932 kam sie als Dauerleihgabe ins Kunstmuseum. Sie umfaßt rund 12 000 Blätter, eine absolut phantastische Zahl, wenn man sich vorstellt, daß heute die großen Museen und Privatsammler schon auf Einzelblätter der hier vertretenen Künstler Jagd machen. Der neue Direktor des Kunstmuseums, Wend von Kainein, bringt jetzt, in seiner ersten Ausstellung, eine thematisch und quantitativ begrenzte Auswahl: 155 Handzeichnungen aus der Zeit zwischen 1600 und 1750. Der römische Barock dominiert mit Sacchi, Maratta (von dem mehr als zwanzig Blätter gezeigt werden), Cortona und Gaulli. Bologna ist mit Annibale und Agostino Carracci und ihren Schülern vertreten. Zu den wichtigsten Venezianern gehört Pellegrini. Als Venedig 1959 eine Pellegrini-Ausstellung machte, kamen mehr als fünfzig Blätter aus Düsseldorf, die man gerade erst als Arbeiten des Meisters erkannt hatte – man kann sich danach vorstellen, was alles noch in Düsseldorf darauf wartet, entdeckt, identifiziert, veröffentlicht zu werden. Der von Eckhard Schaar bearbeitete Katalog (mit vielen neuen Zuschreibungen, nach den jüngsten Forschungsergebnissen) ist ein verheißungsvoller Anfang. Die Ausstellung dauert bis Ende Mai.

GELSENKIRCHEN (Pianohaus Kohl):

"Karl Goris"

Karl Goris hat gerade beim Deutschen Künstlerbund debütiert. Jetzt hat er seine erste Kollektivausstellung, und es spricht nicht gegen den Maler, höchstens gegen die Aufmerksamkeit oder die Risikofreudigkeit der dafür zuständigen Galerien, daß sie in einem Pianohaus stattfindet. Sie umfaßt nur dreizehn Bilder aus den letzten Jahren und ein paar Zeichnungen, Goris arbeitet ungewöhnlich langsam, aber die wenigen Bilder zeigen, was er will, was er zu sagen hat. Goris variiert die gleiche Thematik, Mann allein, Mann im Raum, Mann für "B", wobei man das B in Beckett ergänzen kann. Eine Figur aus schwach aufgelichteten grauen Quadern, die sich gelassen, keineswegs verzweifelt oder von Tragik unwittert, in der umgebenden Schwärze einrichtet. Schwarz ist nicht Düsternis, nicht Melancholie – Goris hat seinen Beckett gut verstanden. Es gibt auch einen Lachenden Mann, auch einen Kardinal, in der gleichen Manier, in der gleichen Neutralität, die nur konstatieren, nicht klagen oder anklagen oder verändern will. Goris ist 1927 in Holland geboren, er lebt in Hamburg, sein Atelier ist eine ehemalige Sakristei auf St. Pauli, für die Kirche nebenan hat er ein Glasmosaik gemacht. Die Ausstellung bleibt bis zum 19. Mai in Gelsenkirchen. Der Hamburger Künstlerklub "die insel" wird sie übernehmen. Auch Kassel und Darmstadt wollen ihn im Lauf des Jahres ausstellen.

GENF (Galerie Krugier et Cie):