Was ,quark‘ bedeutet, ist nur James Joyce und Gott klar geworden." Dieser seltsame Satz steht in einem Bericht des Brookhaven Laboratoriums der US-Atombehörde. Der Inhalt dieser Mitteilung hat ansonsten nichts mit Literatur oder Religion zu tun, sondern betrifft eine neue physikalische Theorie, von der an dieser Stelle bereits vor ein paar Wochen die Rede war (ZEIT Nr. 9/64): die sogenannte SU3-Systematik der Elementarteilchen.

Diese von dem Amerikaner Gell-Mann und dem Israeli Ne’eman aufgestellte Hypothese schafft, falls sie stimmt, Ordnung in dem "Chaos" der verschiedenen subatomaren Materieteilchen, die seit etwa einem Jahrzehnt laufend entdeckt werden – gegenwärtig kennt man mehr als achtzig solcher Partikel.

Daß diese Hypothese sinnvoll ist, also Gesetzmäßigkeiten beschreibt, die im Mikrokosmos tatsächlich herrschen, hatte die Entdeckung eines besonderen Teilchens ergeben. Entdeckt wurde – und das war auch der Anlaß unseres Berichtes – Omega-minus, eine Partikel, deren Existenz und Eigenschaften auf Grund der Theorie vorausgesagt worden waren.

Was hat dies alles mit dem eingangs erwähnten "quark" zu tun, der Joyceschen Wortschöpfung in "Finnegan’s Wake" (die in Unkenntnis der deutschen Sprache mithin ohne Bezug auf ein Molkereiprodukt entstand)? Mit quark bezeichnet der belesene Physik-Professor Gell-Mann ein Elementarteilchen, dessen elektrische Ladung kleiner ist als die des Elektrons. Nach der neuen Theorie könnte es drei solcher quarks geben: eines, das zwei Drittel der Ladung eines Elektrons besitzt, und zwei mit je einem Drittel Elektronenladung.

Dieses Postulat widerspricht freilich der bisherigen Erfahrung und der darauf begründeten Annahme, daß die Ladung des Elektrons ein elementares, unteilbares Quantum ist. Noch nie wurde eine kleinere Ladung gefunden, und alle jemals gemessenen größeren Ladungen sind ganzzahlige Vielfache dieses Quantums, das mit "e" bezeichnet wird.

Dennoch ist es keinesfalls ausgeschlossen, daß es quarks gibt. In diesem Fall aber – das ist das wahrhaft Erregende an dieser Spekulation – müßten die drei subatomaren Teilchen der Theorie nach die elementaren Grundbausteine aller Materie sein. Das gesamte Universum bestünde dann letztlich aus drei quark-Typen – welch eine fatale linguistische Situation für uns Deutsche!

Der Bericht aus Brookhaven, in dem Joyce, Gott und auch Buddha erwähnt werden, besagt nun: Ein von vier Physikern an der gigantischen Protonenschleuder des National Laboratory durchgeführtes Experiment hat ergeben, daß quarks nicht existieren, es sei denn, ihre Masse wäre größer als die dreifache Masse des Wasserstoffkerns, des Protons. Derartig schwere Teilchen lassen sich nämlich mit dem Protonensynchrotron in Brookhaven nicht erzeugen und folglich auch nicht nachweisen.