Israel, Land mit poetischen Namen – Von Eilat nach Ajelet Hashahar

Von Eka von Merveldt

Daroma ("Auf in den Süden!") und Negba ("Auf in die Wüste!") – das war der Ruf der Verheißung in Israel, als der Staat gegründet wurde. Er ist es, wenn er auch heute ein wenig leiser klingt, noch immer. Eines der beliebtesten Worte heißt: Entwicklung. Die Israelis sind beeindruckt von der Unendlichkeit in der Wüste, ihrer Leere, ihrer Schönheit und Stille, von dem überwältigenden Gefühl der Einsamkeit. Sie arbeiten hart und versuchen, dem dürren Land immer mehr Ackerscholle zu entreißen und den Sand fruchtbar zu machen. Und auch, wenn sie einmal nicht arbeiten, wenn sie Zeit zum Feiern haben, ziehen sie in die Wüste hinaus, um sich an ihrem Anblick zu berauschen.

So sind sie auch in die Hafenstadt Eilat am Roten Meer verliebt; sie sind stolz darauf; sie wollen, daß möglichst jeder Besucher sie sieht. Eilat, in der glühenden Sonne – mit "30 Grad im Schatten" wird die normale Temperatur angegeben, aber es gibt dort kaum Schatten – ist lebenswichtig für Israels Verbindungen zum Fernen Osten und nach Afrika, denn der Suezkanal bleibt gesperrt. Die Wellen, die meist sanf: an dieser Bucht plätschern, sind von dem gleichen Wasser getragen, das auch an den Küsten von Indien und Madagaskar brandet.

Für den verwöhnten Touristen ist in Eilat sogar ein luftgekühltes Luxushotel errichtet worden mit dem klingenden Namen Queen of Sheba (Königin von Saba). Dem historisch Gebildeten fällt dann auch gleich König Salomon ein; seine Kupferminen sind nur 20 Kilometer von Eilat entfernt. Wer wißbegierig ist, findet in den Geschichtsbüchern und in der Bibel lange Erzählungen. Und wissenschaftlich Interessierte können hier die silbergrauen Meiler bestaunen, die dem Meerwasser durch ein Gefriersystem das Salz entziehen.

Unter Pionieren

Im Hotel ist es angenehm kühl, aber davor brütet die trockene Hitze. Die Bucht von Eilat wird von Felsen bedrängt. Steine am Strand, ein paar Häuser und Hütten (alle luftgekühlt), das ist alles. Die neue Stadt ist erst neun oder zehn Jahre alt, die Bevölkerung von 15 000 Einwohnern ist jung. Der Älteste ist der Bürgermeister, und er ist erst 35 Jahre alt. Hier trifft dann der Fremde auch heute noch jene israelischen Pioniere, von denen so Sagenhaftes berichtet wurde. Sie sind ein hartgesottener, mutiger, stolzer Typ, rauh im Benehmen, stolz auf die vollbrachten Leistungen, idealistisch in den Impulsen, unternehmend, voll Phantasie, zwar ohne "Angabe", aber geneigt zu glauben, daß ihre kleine Welt das Zentrum ist. Touristen, die gern einfach und abenteuerlich leben in ihren Ferien, naturnah und neugierig, werden sich unter den Pionieren von Eilat wohlfühlen. Es gibt einfachere Hotels, in denen man mit dem Inhalt eines kleinen Koffers wochenlang auskommt; es gibt Möglichkeiten, die Wüste zu durchforschen mit ihrer Farbenpracht und ihren kühnen und wilden Felsenformationen, die wie meditierende Idole aussehen. Auch kann man hier zum puren Vergnügen Korallentaucher werden.