H. B., Rom, im April

Die Neunzehner-Kommission des italienischen Innenministeriums für das Studium der Südtirolfrage hat endlich, nach 31 Monaten, ihren Abschlußbericht vorgelegt. Sollte die Regierung Aldo Moros, was wahrscheinlich ist, den Empfehlungen der Kommission zustimmen und sich ihnen dann auch die Südtiroler Minderheit "in freier, verantwortlicher und überzeugter Weise" anschließen, so besteht Aussicht auf eine endgültige und umfassende Lösung des strittigen Südtirol-Problems. Beim "Vertrauensanwalt" der Südtiroler, bei der Wiener Regierung und in Bozen selbst ist der Bericht jedenfalls günstig aufgenommen worden.

Die Provinz Bozen erhält zwar nicht die volle, eigene Regionalautonomie und bleibt – durch den Handel, die Industrie und das Kreditwesen – auch weiterhin mit Trient verbunden und von ihm abhängig. Die Südtiroler müssen sich auch aus dem Kopf schlagen, daß ihr Landeshauptmann über die Polizei und Karabinieri das Kommando führt. Die Gesamtheit der von der Region – in Zukunft wird sie "Trentino-Südtirol" heißen – an die Provinz abgetretenen Kompetenzen hätte noch größer sein können. Aber alles in allem ist das Ergebnis zufriedenstellend, die Standpunkte der Diskussionspartner sind einander sehr nahe gekommen: in den Fragen der Doppelsprachigkeit, des Schulwesens, der Arbeitsvermittlung, der Teilnahme an den Wahlen und der Übernahme von Posten der Staatsverwaltung.

Zudem erhalten die Südtiroler eine eigene Fahne und ein eigenes Wappen. Als vollkommen gelöst kann auch die Optantenfrage betrachtet werden. Von den insgesamt 201 327 Gesuchen um Wiedereinbürgerung blieben nur 302 Fälle unerledigt; auch sie werden, so heißt es, einer neuen wohlwollenden Überprüfung unterzogen.

In dem Abschlußbericht der italienischen Kommission gibt es auch einen Punkt, der die deutsche Bundesrepublik unmittelbar berührt: Rom soll mit Bonn über eine Entschädigung der damals ins Deutsche Reich abgewanderten Optanten verhandeln. Die für diesen Zweck einst geschaffenen Fonds und Kredite gibt es nicht mehr. Nun wird vorgeschlagen, sie zu refondieren, damit ein Unrecht an jenen Südtirolern wieder gutgemacht werde, die um Besitz und Vermögen gekommen sind.