Die Stahlwerke Südwestfalen AG, Geisweid, ist im Geschäftsjahr 1962/63 gut über die Runden gekommen. Zwar berichtet das Unternehmen nochmals über eine gegenüber dem Vorjahr verschlechterte Ertragslage – aber damit ist in diesem Falle eigentlich nur betont worden, wie gut Südwestfalen in den vorangegangenen fetteren Jahren verdient hat! Denn mit dem Geschäftsergebnis des vergangenen Jahres kann das Geisweider Edelstahlunternehmen glatt zufrieden sein.

Südwestfalen hat als revierfernes Werk nicht nur keine Nachteile gegenüber den Stahlerzeugern an der Ruhr, sondern auch noch besser abgeschnitten als die anderen großen Werke der Edelstahlindustrie, zu der Südwestfalen mit rund 90 Prozent seiner Erzeugung gehört. Umsatz und Produktion sind im Gegensatz zu den konkurrierenden Werken sogar leicht gestiegen. Damit hat sich auch der Marktanteil am deutschen Edelstahlgeschäft etwas erhöht. Vorstandsvorsitzer Dr. h. c. Karl Barich gab den Marktanteil mit 18 bis 19 Prozent an.

Der Umsatz der Gesellschaft, der jetzt nach aktienrechtlichen Grundsätzen ermittelt wird, ist immerhin um 1,3 Prozent auf 704 (695) Millionen DM gestiegen; legt man die früheren Berechnungsprinzipien zugrunde, dann ergibt sich für das Berichtsjahr ein Umsatz von 717 gegenüber 702 Millionen. Die Umsatzzunahme sei überwiegend auf eine Versandmengensteigerung zurückzuführen, heißt es im Geschäftsbericht. Entsprechend weist Südwestfalen auch im Gegensatz zu anderen Werken der Branche Produktionssteigerungen auf, die mit Ausnahme von Warmband und den insgesamt relativ unbedeutenden Schmiedeerzeugnissen in allen Sparten erzielt wurden.

Die Rohstahlproduktion stieg auf 517 600 t um 2,7 Prozent, Stahleisen um 1,6 Prozent auf 117 100 t, und mit 401 100 t Halbzeug wurde die Vorjahrsziffer um 1,8 Prozent überschritten. Bei den Walzwerkserzeugnissen schnitten besonders Bleche mit einer Zuwachsrate von 4,8 Prozent gut ab.

In der günstigen Zusammensetzung des Produktionsprogramms dürfte bei diesem Edelstahlunternehmen im wesentlichen auch der Vorsprung im letzten Geschäftsjahr begründet liegen. Allerdings hat auch der vergleichsweise geringe Exportanteil der Gesellschaft, der im Berichtsjahr mit 10,4 (10) Prozent des Bruttoumsatzes ausgewiesen wird, eine Rolle gespielt, da insbesondere die Exportmärkte unter scharfem Erlösdruck standen. Wie Vorstandsvorsitzer Barich in der Pressekonferenz mitteilte, sei es jedoch abwegig, die günstige Umsatzentwicklung bei Südwestfalen mit einem möglichen Konzernrückhalt in der Flick-Gruppe zu erklären. Zwar ist die Automobilindustrie insgesamt der mit Abstand bedeutendste Abnehmer des Geisweider Unternehmens, aber bevorzugte Lieferbeziehungen zu anderen Firmen des gleichen Großaktionärs bestehen, wie Barich betont, keineswegs. Für die Verkaufspolitik Südwestfalens haben sich, seitdem die Flick KG sich in Geisweid etabliert hat, nicht die geringsten Änderungen ergeben, hieß es in der Pressekonferenz.

Auch in anderer Beziehung hält sich der Großaktionär betont zurück: an eine Kapitalerhöhung ist hier nach wie vor nicht zu denken. Allerdings muß dazu bemerkt werden, daß dieses Thema – so war in der Pressekonferenz zu hören – überhaupt noch nicht mit den Großaktionären diskutiert worden ist, weil eine Erhöhung des 40 Millionen DM betragenden Kapitals – das im Berichtsjahre immerhin rund fünfzehnmal umgeschlagen worden ist – nach Auffassung der Verwaltung kein akutes Problem sei.

Südwestfalen verfügt über relativ hohe Rücklagen, auf Grund derer die Deckung des Anlagevermögens durch Eigenkapital in der Tat sogar besser ist als im Durchschnitt der deutschen Stahlindustrie. Daß es andererseits der Gesellschaft nicht gerade unsympathisch ist, nur ein niedriges Kapital mit Dividende bedienen zu müssen, liegt auf der Hand. Im Berichtsjahre, das auch hier "eine weitere Ertragsminderung" gebracht hat, reichen für die Ausschüttung der unveränderten Dividende von 14 Prozent wiederum schon die vereinnahmten Organgewinne aus; die Bildung stiller Reserven brauchte in Geisweid nochmals nicht zu kurz zu kommen.