MORUS: "Marx, Märkte und Mars", Europa Verlag, Zürich, 1964, 332 Seiten, Preis geb. 17,50 DM.

Das vorliegende Buch versucht auf wenigen Seiten einen Überblick über Asien zu geben, von Rotchina bis zum Irak, von Sibirien bis nach Indonesien. Das Unternehmen kann nur begrüßt werden. Denn Asien, der größte, volkreichste und politisch wichtigste Kontinent unserer Welt, ist in den letzten Jahren durch den Aufbruch Afrikas und die Unruhen in Lateinamerika zu Unrecht etwas in den Hintergrund gedrängt worden. Und der Verfasser ist ein weitgereister und erfahrener Mann, der als Arzt, Volkswirt und Journalist sowohl von der Politik wie von der Wirtschaft wie auch von sozialen Fragen etwas versteht, der jahrelang Chefkorrespondent von Ullstein in Paris war, und der farbig zu schreiben versteht.

Trotzdem enttäuscht das Buch den interessierten Leser. Der Verfasser erzählt viele, interessante Dinge; vor allem was er über Sibirien berichtet, dürfte für viele unbekannt sein; und er erzählt es sehr lebendig. Aber es fehlt der rote Faden. Es fehlt die klare Linie. Die Erlebnisse scheinen wie zufällig aneinander gereiht. Das fast krampfhafte Bemühen, den Leser nicht durch politische oder wirtschaftliche Analysen zu langweilen, sondern ihn durch ständig neue Bilder die Leselust zu erhalten, verwirrt schließlich und ermüdet mehr, als gelegentliche trockene Darlegungen es vermocht hätten. Morus hat sein Buch so geschrieben, wie man vor vierzig Jahren politische Reisebücher schrieb. Aber heute ist die Welt bekannter als damals. Und die Leser heute haben nicht mehr soviel Zeit, wie es die Menschen vor vierzig Jahren hatten. Peter Grubbe