Wie Rolf Nesch im norwegischen Aal, wie Hap Grieshaber auf der Achalm bei Reutlingen hat Werner Berg, geboren 1904 in Wuppertal-Elberfeld, auf seinem Rutarhof in Unterkärnten eine Position fernab des Kunstbetriebs unserer Tage bezogen. Kärnten gilt seit langem als der "Malerwinkel" Österreichs; ein großer Teil der Künstler, der in- und außerhalb des Donaulandes Rang und Namen hat, stammt aus Kärnten oder hat dort seine Wahlheimat gefunden. Werner Bergs malerisches Oeuvre, dem zuletzt im Laibacher modernen Museum und im Lenbachpalais in München umfangreiche Retrospektiven gewidmet waren, wird seit mehr als drei Jahrzehnten begleitet von einem graphischen Werk, das heute wohl mehr als 300 Holzschnitte umfaßt und aus dem nun diese Auswahl vorliegt (Werner Berg: "Holzschnitte"; Verlag Guberner & Hierhammer, Wien; 40 Holzschnitte, 15,80 DM). Werner Berg geht von den Holzschnitten Edvard Munchs (den er gut kannte) und der Expressionisten aus (unter denen er sich besonders Kirchner verbunden fühlt), als Schnitzmesser verwendet er Hohleisen, die Munch zuerst probierte. Alle Blätter zieht er in wenigen Exemplaren ohne Presse mit der Hand ab, was mit ihren eigenartigen, die Materialsprache nie verleugnenden Reiz ausmacht. Hinter den alltäglichen Themen, dem Kirchgang der Windischen (so heißen die Slowenen Kärntens), dem Umzug der Maskerer, den im Schnee versinkenden Bauerngehöften möchte Berg ohne folkloristische Anekdote und ohne Überhöhung ins Symbolische die bleibende Form sichtbar machen. Wieland Schmied