Der Photograph Andreas Feininger ist ein Handwerker mit Geschmack, bienenfleißig, gründlich und ab und zu genial. Er ist einer der berühmtesten Photographen der Welt, nicht der brillanteste, nicht der eigenwilligste, aber sicher der vielseitigste (Andreas Feininger: „Die Welt neu gesehen“, aus dem Amerikanischen von Karl Mönch; Econ Verlag, Düsseldorf; 230 S. mit 170 teils farbigen Photos, 48,– DM). Es gibt kaum ein Objekt, an dem Feininger sich nicht versucht hätte, er beherrscht die Weitwinkelaufnahme ebenso wie Detailaufnahmen von Insekten, hat Aktphotos gemacht und Industrieaufnahmen, Landschaften photographiert und Gesichter, seine technische Fertigkeit hat ihn zu abstrakten Spielereien verführt, die manchmal so langweilig geraten sind wie jene Photos, die auf bieder-konkrete Weise Vorgefundenes reproduzieren. Sein Buch, in dem er, Aufnahmen aus dreißig Jahren zusammengestellt hat, ist, hauptsächlich durch den Text, ein wenig schulmeisterlich, als Lehrbuch aber vollkommen. Feininger ist ein Pedant mit der Kamera; der Mensch in der Bewegung, die Masse, Gefühle, das Photo als Pamphlet, das kritische Photo sind nicht seine Sache, er ist kalt und liebt die Unordnung nicht, er tüftelt und bevorzugt lange Belichtungszeiten. Er demonstriert die vielseitigen Möglichkeiten der Photographie, tritt selbst bescheiden hinter den dargestellten Gegenstand zurück, gibt sich als Pionier und ist in der modernen Photographie als Kunst ein Anachronismus. Aber ein Handwerker, dessen manchmal unglaubliche Fertigkeit, auf Kenntnis und technische Virtuosität fundiert, bis heute ihren exemplarischen Wert nicht eingebüßt hat und so schnell nicht einbüßen wird. u. n.