WIG 64

Dieser Tage wurde bei strahlendstem „Kaiserwetter“ die Wiener Internationale Gartenausstellung unter dem Rufnamen WIG 64 eröffnet. Sie ist die größte Gartenschau, die Europa bisher je erlebte, hat nicht weniger als 206 Millionen Schilling gekostet, wird bis zum 11. Oktober dauern und ist das Ereignis für die Bundeshauptstadt.

Auf einem Terrain von 100 Hektar, das einst der Müllablagerung und dann wilden Stadtrandsiedlungen gedient hatte, deren Namen Bruckhaufen und Brettldorf alles über sie sagten, haben Gärtner aus 28 Nationen die Flora ihrer Länder ausgestellt. Blumen von atemberaubender Schönheit, Azaleenbüsche von Riesengröße, deren einzelne mehr als 10 000 Schilling kosten, Hunderte Arten von Rosen in allen Farben des Regenbogens bis zum Violett, Meere von Iris, Lilien, Tulpen, Narzissen und eine Fülle nie gesehener Exoten begrüßten am Eröffnungstag die Gäste. Kein Wunder, daß dieser Garten der Welt schon in den ersten Tagen 200 000 Besucher zählte, mitunter darunter Tausende Gäste aus dem Ausland, die ersten Sonderzüge aus der Bundesrepublik.

Hier, nur vier Kilometer vom Stadtzentrum entfernt am Nordufer der Donau, gibt es Sonderschauen von Alpenblumen, Heilpflanzen, Heidegewächsen, Gewürzkräutern, wer zählt die Arten, kennt die Namen? Kleingarten- und Gartenindustrieschau, „Gärten der Nationen“, ein indonesisches Bauernhaus, ein Neger- und ein Indianerdorf und sogar ein moderner Musterfriedhof, den man aber nicht unbedingt besuchen muß, sind hier zu sehen.

Optischer Mittelpunkt dieses Donauparks ist der 260 Meter hohe „Donauturm“, der zum neuen Wahrzeichen Wiens werden wird. In 150 Meter Höhe gibt es eine Aussichtsplattform für 500 Personen, darüber eine auf einem Drehgestell aufgehängte Gondel mit Kaffeehaus und Restaurant, die sich in vierzig Minuten einmal um die Turmachse drehen. Mit einem Schneilift erreicht man die Spitze dieses Bauwerks, das den Stephansturm erheblich überragt, in fünfundzwanzig Sekunden. Zur Bewältigung des Menschenandranges in die Ausstellung wurden neue Schnellstraßen gebaut, riesige Parkplätze angelegt und selbst derer nicht vergessen, die schlecht zu Fuß sind. Solche Besucher können die Ausstellung von einer Kleinbahn aus, von einem Sessellift herab oder von Motorrikschas befördert, genießen. Selbstredend gibt es für die älteren Semester geruhsame Lesegärten, wesentlich lebhaftere Kinderspielplätze, und verhungert ist bisher auch noch kein Mensch. Kaffeehäuser, Restaurants, Milchhallen, Würstelstände und Espressos halten die WIG-Besucher bei Kräften.

Das Ausstellungsgebiet wird unter dem Namen Donaupark die größte Wiener Grünanlage bleiben und den Wald- und Wiesengürtel um die Stadt, ihr „soziales Grün“, wohltätig vermehren. R. N.