Fast alle britischen Stützpunkte am See- und Luftweg zum Nahen und Fernen Osten sind gefährdet: Unruhen im Protektorat Aden und auf den Malediven, der Bürgerkrieg auf Zypern und der Parteienhader auf Malta stehen auf der Tagesordnung des Commonwealth-Ministeriums in London, das den Empire-Nachlaß verwaltet. Erfreuliche Kunde kam lediglich aus Singapur, der Hauptstadt des Commonwealth-Staates Malaysia.

Sukarnos Hoffnung, den verhaßten Nachbarstaat von innen aufzubrechen, hat sich zerschlagen. Bei der ersten Parlamentswahl seit der Staatsgründung im Herbst 1963 errang die Allianz-Partei Premierministers Tunku Abdul Rahman, eine Sammlungsbewegung der drei Bevölkerungsgruppen (Malaien, Chinesen, Inder), im Stammland Malaya einen hohen Wahlsieg (87 statt bisher 74 von 104 Sitzen). Die beiden Oppositionsparteien, die mit Indonesien sympathisieren, fielen weit zurück.

Solange aber Sukarno weiterhin mit Krieg droht und Guerillas in das malaysische Borneo schickt, braucht Großbritannien den Stützpunkt Singapur und den wichtigen Zwischenlandeplatz auf den Malediven, einer Inselgruppe etwa 600 Kilometer westlich von Ceylon. Die Regierung dieses Protektorats, das sich seit 1887 selbst verwaltet, verlangt neuerdings mehr Unabhängigkeit. Motiv: Verärgerung über die Briten, die angeblich auf der Insel Gan, der RAF-Basis, eine Sezessionsbewegung fördern. Die Bewohner Gans wollen ihre Stützpunkt-Einnahmen nicht mit den anderen Inseln teilen. Demonstrationen und Sabotageakte in diesem Teil der Welt kommen den Engländern höchst ungelegen, da auch der Mitteloststützpunkt Aden gefährdet ist.

Nur mit dem Kriegsrecht können sie in diesem Protektorat regieren. Einige politische Sprecher der 250 000 Einwohner Adens wehren sich gegen das Übergewicht der Wüstenscheichs in der Südarabischen Föderation und blicken hoffnungsvoll auf Nassers Expeditionskorps im Jemen, Bei einem Blitzbesuch Nassers im Jemen gelobten die „weisen Männer“ des Landes einen „Heiligen Krieg“ zur Befreiung der „Perle Aden“. Schon jetzt müssen arabische Hilfstruppen unter britischen Offizieren Aden vor Partisanenangriffen aus dem Norden schützen.

Friedlicher geht es auf Malta zu, wo sich die Parteien vorerst nur mit Reden und Plakaten bekämpfen. Für Anfang Mai wurde die Bevölkerung zu einer Volksabstimmung über die Verfassung aufgerufen. Der Entwurf, den die konservative Regierungspartei vorlegte, wird von der Kirche gestützt, von der Labour-Partei Dominic Mintoffs jedoch abgelehnt. Die antiklerikalen Mitstreiter Mintoffs, die auf Malta die Zivilehe einführen wollen, mußten zum letzten Wahlkampf, unter einem Interdikt des streitbaren Erzbischofs antreten. Ohne Verfassung kann Malta am 31. Mai nicht die versprochene Unabhängigkeit erlangen. Während die Regierung die Insel im Commonwealth und bei der NATO halten will (man braucht britisches Geld zur Deckung des ständigen Handelsdefizits), bevorzugt Mintoff Neutralität. Manche der 330 000 Malteser jedoch fühlen sich unter den Briten so wohl, daß sie überhaupt nicht unabhängig sein wollen.

Ähnlich denkt die Mehrheit der 26 000 Einwohner von Gibraltar, die lieber britisch als spanisch sein will. Nachdem sich bereits die UN der Gibraltarenos angenommen hat, erwartet man in Madrid zuversichtlich einen Erfolg zweiseitiger Verhandlungen mit London. Ziel: Neben der NATO-Flagge soll die spanische Fahne wehen. Doch denkt niemand an gewaltsame Lösungen. Schließlich leben 100 000 spanische Pendelarbeiter vom britischen Stützpunkt! Zur Zeit sieht es nicht danach aus, als ob Gibraltar nach 260 Jahren wieder spanisch wird. Ganz kühne Propheten sprechen sogar von einem neuen Staat im Commonwealth.