INOELHEIM (Berufsschule):

„Holländische Zeichnungen des 17. Jahrhunderts“

Die Weinstadt Ingelheim am Rhein feiert, mit Hilfe des Hauses C. H. Boehringer Sohn, „Holländische Tage“, bis zum 3. Mai. Auf dem Programm stehen Vorträge (über Rembrandt, über Albert Verwey und Stefan George), eine Blumenschau, Filmabende, ein Pantomimen-Gastspiel und eine Ausstellung, mit der jedes große Museum Ehre einlegen könnte: 79 Meisterzeichnungen aus Hollands Goldenem Jahrhundert, die gute Hälfte kommt aus holländischen Museen, der Rest aus deutschen und Schweizer Museen und Privatsammlungen. Sieben Rembrandt-Zeichnungen sind dabei, Landschaften von van Goyen, Cuyp, Everdingen, Hackaert, Porträts von Lievens und Maes, Tierstudien von Potter, ein Kircheninterieur von Saenredam, Bauernschänken von Ostade – die Auswahl ist darauf angelegt, die verschiedenen Richtungen, vor allem auch die verschiedenen Genres zu dokumentieren. Alle Blätter sind im Katalog abgebildet, die Einleitung schrieb Frits Lugt. Eine zweite Ausstellung bringt Radierungen von Rembrandt.

HANNOVER (Galerie Brusberg):

„Fred Deux“

Der Franzose Fred Deux, der jetzt zum erstenmal in Deutschland seine Zeichnungen ausstellt, ist im Neben- oder Hauptberuf Schriftsteller. 1958 veröffentlichte er in Paris unter dem Pseudonym Jean Douassot den Roman „La Gana“. Der brutale, schockierende Bericht der eigenen Kindheit im haarsträubend schaudervollen Milieu der Slums, überreich am krassesten Detail und wüsten Exzessen, hat inzwischen auch in Deutschland Staub aufgewirbelt und den Autor bekannt gemacht. Sein zweites Buch „Sens Inverse“ ist 1961 erschienen, im gleichen Jahr waren seine Zeichnungen bei Daniel Cordier ausgestellt. Fred Deux ist 1924 in Paris geboren, er war Gelegenheitsarbeiter, Meisterschwimmer und Buchhandlungsgehilfe, bevor er zu schreiben und zu zeichnen anfing. Er war auf keiner Akademie, ist reiner Autodidakt, obwohl die Zeichnungen nicht danach aussehen. Virtuos setzt er alle Nuancen zwischen Schwarz und Weiß, die ganze Grau-Skala kommt ins Spiel. Der Strich wechselt von lapidarer Härte zu feinsten netzartigen Schraffuren. Die Blätter sind keine Illustrationen der La-Gana-Unterwelt, keine Milieustudien, sondern unrealistisch, art fantastique. Sie waren auf der Fantasten-Internationale 1962 in Wien ausgestellt. Was Deux halluzinatorisch bedrängt, wird mit einer geradezu pedantischen Genauigkeit registriert, aufs Papier gestrichelt, abstrakte gemeistert. Eine figurative und eine abstrakte Linie laufen nebeneinander, die hart konturierten Figuren erinnern an afrikanische oder melanesische Götzen, die „magische Hand“ mit den sechs Fingern gehört in die Sphäre primitiver Kulte, eine sicher unbewußte Übernahme. – Die Ausstellung bleibt bis zum 2. Mai in Hannover und geht dann nach Berlin zu Rudolf Springer, der den Zeichner Deux für Deutschland entdeckt hat.

BERLIN (Galerie Gerda Bassenge):