„Die griechisch-türkische Freundschaft ist tot!“ Es war kein geringerer als der türkische Staatschef General Gürsel, der dies sagte. Der Konflikt um Zypern ließ die historische Feindschaft zwischen Griechen und Türken wieder aufleben. Nachdem sich Griechenland, um einer sowjetischen Intervention vorzubeugen, eindeutig hinter Makarios gestellt hat, begannen nun die Türken mit einer Serie von Nadelstichen:

  • Kündigung der Niederlassungsrechte für 12 500 Griechen in Istanbul.
  • Ausdehnung der Fischereigrenze
  • Ausweisung von 45 griechischen Kaufleuten, Händlern und Priestern
  • 300 griechischen Ärzten, Dentisten und Krankenschwestern und
  • zwei Metropoliten.
  • Der ökumenische Patriarch Athenagoras darf sich nicht mehr um Schul- und Vereinswesen der griechischen Minderheit (etwa 100 000) kümmern.
  • Auf den griechisch besiedelten Inseln ist nur noch Türkisch Schulsprache.

Bis in die zwanziger Jahre wohnten in der europäischen Türkei, an der Schwarzmeerküste und in Kleinasien über zwei Millionen Griechen, von denen etwa eine Million im griechisch-türkischen Krieg (1919–1923) umkam und der Rest bis auf einige Zehntausend nach Griechenland vertrieben wurde. So endete der kühne Versuch des Ministerpräsidenten Venizelos,nach dem Untergang des Osmanischen Reiches das alte Groß-Hellas rund um die Ägäis wiederherzustellen. Seit sich die Griechen 1821 die Freiheit erkämpften, hatten sie Stück um Stück ihres Vaterlandes den Türken und Engländern abtrotzen können (siehe Karte).

Erzbischof Makarios scheint es mit seiner ehrgeizigen Politik nun gelungen zu sein, auch auf Zypern „reinen Tisch“ zu machen. Nachdem die Türken sein Friedensangebot – Beseitigung aller Befestigungen, Generalamnestie, Rückkehr der türkischen Flüchtlinge – brüsk abgelehnt hatten und Ankara auf einer Teilung der Insel beharrte, setzten die Ordnungstruppen des Präsidenten zu neuen Angriffen gegen die „Rebellen“ an. Den UN-Soldaten bleibt nichts zu tun, als Tote und Verwundete aufzulesen. Resultat: Die Vereinten Nationen haben das Vertrauen der türkischen Minderheit verloren.

Da sich die Türkei von der UN, den Westmächten, der NATO, den Arabern und Asiaten (bis auf Pakistan) verlassen fühlt, ging sie (zumindest zum Schein) auf ein unerwartetes sowjetisches Hilfsangebot ein. Die Sowjetunion will den türkischen Fünfjahresplan mit Rohmaterial, Bahnwaggons, Maschinen, Technikern und Krediten unterstützen. Ankaras Staatschef Gürsel: „Es ist unmöglich, vorauszusagen, was die Zukunft bringt.“