Vom Ernst der Funktionäre und der Heiterkeit der Kunst

Von Rudolf Walter Leonhardt

Daß das Leben ernst ist, wird einem an jedem Tag in der DDR von neuem klargemacht.

Harald Wessel, der wortgewandte Kollege vom „Neuen Deutschland“, hat uns die Augen geöffnet. Es wurde wieder einmal, wie jeden Tag sechs Stunden lang, diskutiert. Wenn ich auch annehmen darf, daß wir ein Übersoll erfüllten, so scheint doch das Diskutieren (neben dem Plänemachen) eine der Hauptbeschäftigungen für „die Intelligenz“ in der DDR.

Wieder einmal ging es um den Fall Havemann. Und als das eigentlich Empörende an diesem Professor Havemann kritisierte Harald Wessel, daß da einer, während überall im Akkord am sozialistischen Aufbau der DDR gearbeitet werden soll und von den Parteimitgliedern gewiß auch gearbeitet wird, einfach sitzt und denkt – und das mit keinem anderen Ziel als dem, der Wahrheit näher zu kommen.

Dabei kam er nun auch noch zu unerwünschten Ergebnissen.

Wenn das, was beim Denken herauskommt, mithilft beim „sozialistischen Aufbau der Republik“, ist es sehr willkommen und wird hoch bezahlt.