Die Situation in Laos dem „Königreich der Million Elefanten“, ist wie eh und je unwirklich wie im Märchen. 78 Offiziere haben die Macht in Vientiane an sich gerissen, wollen es aber nach außen verheimlichen. Die frühere Regierung tagt in Permanenz, aber unter Hausarrest. Rechtsputschisten und Neutralisten halten, den Großmächten zuliebe, die Koalition mit den Kommunisten aufrecht, obwohl die Linke seit Monaten schon den Kabinettssitzungen fernbleibt und statt dessen neutralistische Truppen von der „Ebene der Tonkrüge“ verjagte.

Wie sich die neue Junta ohne Unterstützung der USA durchsetzen will, bleibt, wie so vieles in diesem hinterindischen Lande, ein Geheimnis. Möglicherweise vertrauten sie ad gute, alte Beziehungen zu den Thais im anderen Ufer des Mekong, die sich die Kommunisten von den Grenzen halten möchten. Bisher war auf die Truppen der Rechten in Laos allerdings wenig Verlaß; meistens rannten sie davon. Nichtsdestoweniger waren ihre Führer auf neue Subsidien aus.

Nicht minder seltsam ist das Schauspiel, daß Amerikaner, Sowjets, Briten, Franzosen, Chinesen und Inder gemeinsam als Wahrer des Status quo auftreten. Auf sowjetische Initiative wurden sechs Botschafter beim König vorstellig. Auf ihre Beteuerungen: „Wir wollen uns nicht in die inneren Angelegenheiten von Laos einmischen“, lachte seine Majestät herzlich und entwaffnend: „Wollen Sie das wirklich nicht?“

Eines jedenfalls wünschen die Großmächte sicher nicht: den Ausbruch eines Krieges zwischen den Rivalen in Laos. Eher würden sie sich stillschweigend mit der Teilung des Landes abfinden. Den Krieg müßten sie nämlich selber führen. Die Putschgenerale haben vorerst näherliegende Interessen: „größere und schwärzere Mercedes-Limousinen“, wie jemand bissig bemerkte. Zum Kriegführen eignet sich kaum ein Volk so wenig wie die liebenswerten Laoten. Nach der Schilderung eines hohen US-Beamten „halten sie ihre Flinten lieber in der Vertikalen statt in der Horizontalen“.