Eugen Kogon nahm sich in der letzten – und zugleich der hundertsten! – „Panorama“-Folge eines äußerst delikaten Themas an: Er diskutierte die Frage, ob das Wörtchen „DDR“ auch weiterhin in Anführungsstriche gesetzt werden solle. Ist es möglich, unliebsame Tatsachen dadurch aus der Welt zu schaffen, daß man sie in Anführungsstriche setzt? So fragte Kogon, darin unterstützt von Marion Gräfin Dönhoff, die auf die grotesken Auswüchse der offiziellen Terminologie mit ihrem Zwang zur stereotypen Wendung „sogenannt“ hinwies. Gesprächspartner war der CDU-Vertreter Barzel. Er wies das Ansinnen zur eventuellen Tilgung überflüssiger Anführungsstriche mit so viel Entrüstung und mit so unsäglich indigniertem Gesichtsausdruck zurück, daß darin wiederum sehr gut die Versteinerung der deutschen Ostpolitik zum Ausdruck kam. Vielleicht hätte man zu der Diskussion noch Sebastian Haffner hinzuziehen sollen, denn so lag das rhetorische Übergewicht doch ein wenig bei Barzel. Immerhin: „Panorama“ kommt das Verdienst zu, wieder einmal ein Thema aufgegriffen und ins Licht der öffentlichen Diskussion gebracht zu haben, das man bisher nur hinter vorgehaltener Hand zu diskutieren wagte. Der daran anschließende Beitrag über Martin Bormann ging ein wenig ins Sensationelle (muß man unbedingt pensionierten SS-Generälen einen Auftritt vor der Kamera verschaffen?). Sehr informativ dagegen die Untersuchung über das Bundesverdienstkreuz, das bereits über 60 000 mal verliehen wurde, darunter an Globke und Oberländer. Hoffentlich erlebt die Sendung „Panorama“ unter ihrem neuen Chef Kogon auch noch eines Tages die zweihundertste Folge. Ulrich Gregor