Sargent Shriver, „Peace-Corps“-Chef und Kennedy-Schwager, in Deutschland

Von Werner Höfer

Das ist das schiere Gegenbild des „häßlichen Amerikaners“: ein Mann, der es im Aussehen mit jedem Hollywood-Star, an Idealismus mit jedem Urwaldapostel und an Energie mit jedem Erfolgsmanager aufnehmen kann – eine Mischung von Gregory Peck, Albert Schweitzer und Henry Ford. Mit Sargent Shriver, dem Direktor des Peace Corps und Schwager des New-Frontier-Präsidenten, ist das interessanteste Mitglied des Kennedy-Clans nach Deutschland gekommen. In seiner Art, zu denken und zu reden, sind die besten Eigenschaften der Familie, in die er hineingeheiratet hat, wiederzuerkennen. Von seinem großen Schwager John F. Kennedy mag etwas von dessen charismatischer Intelligenz auf ihn übergegangen sein; mit dem jüngeren Bruder seiner Frau, dem Justizminister Robert Kennedy, hat er den missionarischen Elan gemeinsam. Und wie jeder bedeutende Amerikaner läßt er den Mangel an Zeit nicht in einen Mangel an Manieren ausarten.

Um ein Uhr nachts war der Passagier der Touristenklasse mit einer verspäteten Maschine in Frankfurt gelandet; um vier Uhr morgens ist er nach einer nächtlichen Autofahrt in der Plittersdorfer Aue bei Bonn angekommen; um halb zehn empfängt er den ersten journalistischen Besucher – im Frühstückszimmer des amerikanischen Gästehauses, mit dessen spartanischer Kargheit sich wahrscheinlich kaum ein „Entwicklungsland“ begnügen würde.

„Sie sind nicht das erste Mal in Deutschland, Mr. Shriver?“

„Zum erstenmal nach dem Kriege.“

„Ihre Frau war bei dem unvergessenen Besuch Präsident Kennedys in diesem Lande?“