Glauben Sie nicht, verehrter Leser, daß Jugoslawien so ist, wie Sie erwarten! Jugoslawien ist anders. Solche Sätze fließen leicht aus der Feder, und deshalb sind sie meistens trügerisch. Welches Land ist für den, der es offenen Auges für sich entdeckt hat, nicht anders, als sonst das Klischee vorgibt? Mit dem Anfangssatz beginnt das Buch des österreichischen Slawisten Ernst Neumayr: „Zwischen Adria und Karawanken – Reisen durch Jugoslawien“ (Henry Goverts Verlag, Stuttgart; 182 Seiten, 16 Bilder; 16,80 Mark). Es ist eine hübsche Einführung, die dem Anfänger ein ungefähres Bild dessen gibt, was ihn erwartet, worauf zu achten und was zu beachten empfehlenswert sei. Sehr in die Tiefe geht das nicht, und manchmal ist man ein bißchen enttäuscht, wenn die Kapitelüberschrift „das vielgestaltige Kroatien“ verheißt und fast nur von Zagreb die Rede ist.

Paul-Marie de la Gorce gehört zu jener Art schreibender Gesellen, die sich Zeit lassen, eine „Tatsache“ zu umschreiben. Ihr Vorteil ist, daß sie auf ihren verschlungenen Wegen zum Ziel Fluidum einfangen – und das ist wichtig bei einem nicht mehr ganz neuen Thema wie: „Monaco“. Dem winzigen Staat ist dieses jüngste „Buch der Reisen“ aus dem Verlag Rencontre, Köln, gewidmet: amüsant, belehrend, durchzogen von einem hierzulande fast unbekannten Humor. Selbst die Photos, die Stiche, die Vignetten machen da mit, temperamentvoll unterstützt von einem spielerischen Layout, das trotz mancher Überspanntheiten dem Stoff angepaßt ist und nicht, wie in einigen früheren Bänden dieser vorzüglichen Reihe, aufgesetzt und fremd wirkt. Das Buch ist bis in die Einzelheiten hinein durchgearbeitet (192 Seiten, Photos von André Dorka; 12,80 Mark).

Der Buch-Boom wird weidlich ausgenutzt, und wer heutzutage nach Reisebüchern sucht, muß lange sortieren, bis er das wenige Gute gefunden hat. Die ewig gleichen Themen tauchen in unendlichen Variationen auf, doch dann geschieht es unerwartet, daß einer eine gänzlich neue Idee gehabt hat, zum Beispiel Ernst Roloff, der „Museen, die nicht jeder kennt“, nennt. Er schrieb einen „Führer durch 125 Spezialmuseen in Deutschland“. Da ist zwar nicht die Spur von stilistischem Ehrgeiz zu finden, aber man erfährt, was man sonst kaum erführe, zum Beispiel von folgenden Museen: Hutmuseum in Bad Homburg; Elfenbeinmuseum in Erbach; Hexenbürgermeisterhaus in Lemgo; Röntgen-Museum in Remscheid-Lennep; Pferdemuseum in Verden. Das ist eine gute Sache, die ihren Preis wert ist. In der gleichen Reihe, „Bertelsmann-Reiseführer“ genannt, sind kürzlich unter anderen noch folgende Bände erschienen: Urlaub an der See, in Frankreich, in Süditalien und Sizilien, in deutschen Bädern, aber auch ein Buch mit, dem Titel „Autokennzeichen erzählen“. Jeder Band dieser Reihe kostet 5,80 Mark und hat ungefähr 200 Seiten.

Großen Effekt verspricht in unseren aufgeregten Zeiten besonders der Hinweis abseits – abseits des Hauptstromes, abseits von Verkehr und Rummel. Man sollte solche Erinnerungen an Mauerblümchen genau prüfen, zumal sich neuerdings allerlei Kleinkariertes als Besonderheit anpreist. Kunstfreunden empfiehlt sich immerhin ein schmales Bändchen von Ursula Pfistermeister: „Verborgene Kostbarkeiten“ – Kunstwanderungen abseits der Hauptstraße rund um Nürnberg (104 Seiten, 48 Abbildungen; 8,80 Mark). Sehr edel, sehr brav, sehr ehrfürchtig. Esprit darf man nicht erwarten. – k