R. S., Bonn, im April

Bisher werden unter den tauglichen Dienstpflichtigen nicht die für den Militärdienst geeignetsten jungen Männer zur Bundeswehr eingezogen, sondern nur jene, die das Los bestimmt. Denn die Bundeswehr kann nur etwa 60 Prozent der Tauglichen in ihren Dienst nehmen. Es gibt bisher nicht genug Ausbilder, Unterkünfte und Geldmittel, um jeden Tauglichen einzustellen.

Dieses Auslesesystem, das den Erfordernissen einer modernen, technisch anspruchsvollen Armee nicht genügt und das auch wegen das dabei waltenden Zufalls kritisiert wurde, soll nun geändert werden. In der kürzlich vom Bundeskabinett verabschiedeten dritten Novelle zum Wehrpflichtgesetz wird eine Eignungs- und Verwendungsprüfung vorgeschrieben. Sie soll darüber entscheiden, ob der Betreffende eingezogen, wie er und bei welchem Truppenteil er verwendet werden soll. Die Prüfung wird von Psychologen vorgenommen.

Die Prüfung wird etwa einen Tag dauern. Es wird dabei „Grundleistungstests“ geben, Leistungstests je nach Beruf und „Funktionstests“. Zu den Grundleistungstests gehören ein Rechentest, ein „Wortverständnistest“ oder ein mechanischer Test. Zu den Tests für fachliche Eignungen gehört beispielsweise ein Funktest, durch den die Fähigkeit im Aufnehmen von Morsezeichen erprobt werden soll, oder ein „Raumvofstellungstest“, der zeigen soll, ob sich der Prüfling einen geometrischen Körper nach einer Planzeichnung vorstellen kann. Die prüfenden Psychologen sollen einen dreifachen Verwendungsvorschlag unterbreiten.