Ein schöpferischer Schriftsteller muß sorgsamdie Werke seiner Rivalen studieren, einschließlich jener des Allmächtigen. Vladimir Nabokov

Shakespeare hüben und drüben

Am letzten Donnerstag wurde in Bochum die bundesdeutsche Shakespeare-Woche eröffnet, in Weimar feierte die Konkurrenz, denn seit nunmehr etwa einem Jahr ist die deutsche Shakespeare-Gesellschaft zeitgemäß gespalten. Mit „Ende gut, alles gut“ war das Programm in Bochum an diesem Donnerstag zu Ende. Am Tage vor der Eröffnung hatte der Präsident der westdeutschen Shakespeare-Gesellschaft, der ehemalige Kultusminister von Nordrhein-Westfalen, Werner Schütz, zur Presse gesprochen und sich dabei gesamtdeutsch ausgedrückt. Die Shakespeare-Gesellschaft der Bundesrepublik sei nach wie vor zu Gesprächen mit der Weimarer Gesellschaft bereit, aber entsprechende Aufforderungen zu Kontakten seien unbeantwortet geblieben. Er hoffe aber auf ein Tauwetter in der „Sowjetzone“, außerdem würde den drüben ansässigen Altmitgliedern noch immer eifrig und kostenlos Schrifttum zugeschickt. An der Spaltung war man in Bochum gewiß nicht ganz unschuldig, aber hinterher hat man gut reden und zuschicken.

Zweiter Pasternak

Giangiaccomo Feltrinelli, der italienische Verleger und Dr. Schiwago-Entdecker, begab sich vergangene Woche auf seine zweite Kuba-Reise. Der Besuch galt dem Verlagsautor Fidel Castro, mit dem er ein erneutes Gespräch über dessen Memoiren führte. Nachdem Feltrinelli vor einiger Zeit bei seinem ersten Besuch in Havanna zusammen mit Castro das Manuskript von 1300 auf 750 Seiten reduziert hatte und beruhigt wieder nach Mailand zurückgekehrt war, hatte Castro die Zwischenzeit genutzt, um 700 weitere Seiten zu verfertigen. Den Erinnerungen des Staatsoberhauptes, die Feltrinelli bereits an Athenäum (New York), Heinemann (London) und Hachette (Paris) verkauft hat, wird seit der letzten Frankfurter Buchmesse ein Bestseller-Schicksal prophezeit.

15 000 Mark warten

Der mit 15 000 DM dotierte Julius-Campe-Preis des Hoffmann und Campe-Verlags soll auch in diesem Jahre vergeben werden. Bewerber müssen ihre Manuskripte (Roman oder Tatsachenbuch) bis zum 31. Mai an den Hoff mann und Campe Verlag, Hamburg 13, Harvestehuder Weg 45, schicken.