Von Edmund Wolf

In einem Artikel „Eine Reise nach Südafrika“ (im „Münchner Merkur“) schreibt Werner G. Krug, er habe dort „nur lachende Gesichter von Weißen, Schwarzen und Farbigen“ gesehen.

Wie? Kein einziges ernstes? Nicht eine einzige Träne?

Aber so wörtlich meint er es natürlich nicht. Er will mit dem Klischee von den lachenden Gesichtern, in solchem Bausch-und-Bogen-Stil der Reportage, nur ausdrücken, wie herzerwärmend er die Zustände dort fand. Und wo kämen wir Schreiberlinge hin, wenn wir uns nicht mehr an Klischees klammern dürften?

Aber dann lese ich in seinem Bericht: „Die strenge Rassentrennung wird, wie man gerechterweise feststellen muß, nicht geübt zur Vorherrschaft der einen Rasse über die andere, sondern zur Vermeidung jedes Zusammenstoßes...“

Gerechterweise? Das ist nicht mehr Bauschund-Bogen-Stil. Man kann für Apartheid sein, man kann finden, sie sei das kleinere Übel in einer bösen Welt, man kann sagen... und alles, was man so sagen kann, wird von Dr. Verwoerd und seinen Mannen in aller Welt nach Kräften gesagt. Aber „gerechterweise“? Welcher Richter ist hier gemeint? Wie gerecht ist dieses „gerechterweise“, das sich über eine so furchtbare Beweislast hinwegsetzt?

Wohlgemerkt: Mir geht es um Worte und ihre Verwendung. „Gerechterweise“ ist ein großes Wort – eine Trumpfkarte. Darf es so hineingemogelt werden? Aus welchem Ärmel hat er die Karte geholt?