Der geschäftsführende CDU-Vorsitzende Dufhues kann jetzt ungeniert den Satz wiederholen, der ihm von seinen vorsichtigen Parteifreunden in Stuttgart lange Zeit sehr übelgenommen worden ist: Die Landtagswahlen in Baden-Württemberg seien Testwahlen für die Bundesrepublik. Die CDU hat im Südweststaat einen so eindrucksvollen Sieg errungen, daß bei vielen Christlichen-Demokraten die Hoffnung fast zur Gewißheit wurde, unter der Kanzlerschaft Ludwig Erhards gehe die Partei einem zweiten politischen Frühling entgegen.

Die CDU hat sich in Baden-Württemberg von 39,5 auf 46,2 Prozent der Stimmen gesteigert, sie hat 59 Mandate erobert, darunter acht Direktmandate, die sie der SPD abgenommen hat. Welches sind die Gründe für diesen Erfolg?

1. Die CDU hat vom völligen Zusammenbruch der Gesamtdeutschen Partei vermutlich am meisten profitiert.

2. Die CDU besitzt in Ministerpräsident Kiesinger den einzigen Landespolitiker, der wirklich im ganzen Land bekannt ist und der sich außerdem zu "verkaufen" weiß.

3. Die CDU besitzt in Bundeskanzler Erhard den weitaus populärsten Bundespolitiker. (In Ulm-Stadt, das zum Bundestagswahlkreis Ludwig Erhards gehört, hat die CDU ihren Stimmanteil von 36,4 auf 47,1 Prozent vergrößert – zu Lasten aller anderen Parteien.)

4. Die Leistungen der Landesregierung sind respektabel; Streitfragen der Landespolitik spielten im Wahlkampf nur eine geringe Rolle. Um so mehr war die Wirkung der Persönlichkeiten entscheidend.

5. Die CDU hatte bei den letzten Landtagswahlen ein psychologisches Tief erreicht; die niedrige Wahlbeteiligung (59 Prozent) wirkte sich für die CDU ebenfalls negativ aus. Diesmal lag die Beteiligung (67,8 Prozent) erheblich höher. Der Aufruf der Altbadener, die Wahl zu boykottieren, blieb wirkungslos.