Und auch der Strom reicht aus. Elf Meter ist das Fahrwasser tief, in zwei Jahren wird es auf zwölf Meter ausgebaggert sein — genug für Schiffe bis zu 65 000 tdw (Ladetonnen). Aber Hamburg rüstet sich am Meer für den Tag, an dem die Schiffsriesen noch gigantischer sind, an dem sein stadtnaher Geländevorrat verbraucht ist — und an dem ein politischer Wandel das Hinterland Öffnet, welches der Eiserne Vorhang heute noch sperrt. Das Vorhafenprojekt, so deutete Dr. Laucht umschreibend an, diene der "Vorbereitung auf zwar nicht Vater Mühlradt: "Planensch muß man sich auf Man stellt sich ein. 5 5 Millionen Mark gibt Hamburg in den nächsten fünf Jahren für die Erforschung des Vorhafengebietes aus. Denn man kennt das Terrain noch gar nicht genau. Das Watt — nicht mehr Land und noch nicht ganz Meer — ist unzugänglich und wandelt sich dauernd. Voraussetzungen und Folgeerscheinungen eines Hafenbaues müssen erst von Grund auf erforscht werden. In diesem Jahr beginnen die ersten intensiven Untersuchungen. Hamburg hat dafür eigens das Spezial Forschungsschiff "Nige Wark" gebaut. Gemeinsam mit Schlauchbooten, Hubschraubern und den traditionellen hochrädrigen Wattwagen soll es das Gelände erforschen.

Das Programm ist gewaltig: Laufende Wasserstandsmessungen, Auswertung vorliegender und künftiger meteorologischer Beobachtungen, Messung von Strömungen, Seegang, Brandung, Salzgehalt sowie Sinkstoff- und Sandwanderungen; ferner laufende morphologische Aufnahmen, um die Veränderungen des Wattes, der Priele und der Küsten durch Wasser und Wind zu ermitteln; schließlich biologische Untersuchungen der Tier- und Pflanzenwelt, geologische und bodenmechanische Aufschlüsse durch Bohrungen; ja, sogar Vergleiche uralter Seekarten und Segelanweisungen — das sind nur einige der Hauptaufgaben.

Die modernsten Mittel sind für diese Forschungen gerade gut genug. Elektronengehirne werten die Reihenmessungen aus; drei Decca Peilsender — je einer bei Langwarden, Büsum und Helgoland — werden zur genauesten Standortsbestimmung der Vermessungsfahrzeuge gebaut. Schließlich wird sogar die Radioaktivität zu Hilfe gezogen: Sandproben vom Meeresgrund beschichtet man mit radioaktiven (oder fluoreszierenden) Stoffen; Messungen nach einiger Zeit lassen Schlüsse auf quantitative Wanderange zu. Die natürliche Eigenschaft jenes Terrains, dauernde Veränderung, erschwert die Arbeit besonders. Es nützte nichts, das Küstenvorgebiet von fünf Schiffen in einem einzigen Jahr untersuchen zu lassen. Nur langfristige Beobachtungen erlauben Vergleiche — und Prognosen. Man braucht viel Zeit.

Und das Areal ist riesig. Zwar dehnt sich das Planungsgebiet "nur" 90 Quadratkilometer aus, aber eben wegen der vielfältigen weiträumigen Wechsel Wirkungen der verschiedensten natürlichen Faktoren muß die Nachbarschaft ebenfalls genau erforscht werden. Das Interessengebiet auf den Seekarten der Forscher mißt somit 600 Quadratkilometer; das ist fast die Ausdehnung des Stadtstaates Hamburg. Kurios provinziell muten angesichts der kühicn Planungen für den Hafen der Zukunft die Sedenken zweier sehr löblicher Institutionen an. Das Cuxhavener Badeleben, so verlangen die einen, der Vogelschutz auf Scharhörn, so verangen die anderen, dürften durch den Vorhafen licht gestört verden. Sie werden sich damit abinden müssen. Denn die Vorteile des Hafens im Vfeer sind zahlreicher: Obersee. Und der Hafen liegt am zwanzig Meter iefen Fahrwasser der See — ein Vorzug, den in janz Europa nur noch New Haven hat. Das Projekt am Tiefenwasser spart den weiteren Ausbau der Elbe.

t Der Hafen kann nicht verschlicken — ein Vorgang, der nur im Süßwasser und in Brackwasserzonen möglich ist.

Der Baugrund ist, so paradox es klingt, im VIeer besser- als auf dem Land; das Watt ist fest, die Marsch ist weich.

Es gibt keine teuren und langen Verhandlungen über Grunderwerb oder gar Enteignung. weitungen genügend Platz.