Das war im Frühjahr 1947. Also sind es jetzt siebzehn Jahre her, seit die „Hannover-Messe“ gegründet wurde. Damals notierte man: Hannover macht sich stark, das Erbe Leipzigs fortzuführen! Man notierte es skeptisch. Damals war ja auch der Riß, der Deutschland spaltete, noch ziemlich neu. Noch gab es Leute, die den Ost-West-Konflikt für einen Irrtum unter den Alliierten hielten – korrigierbar. Vor siebzehn Jahren sagte Hannover: „Wenn’s denn sein muß – gut, dann bin ich Leipzig!“ Heute ist Leipzig immer noch nicht wieder Leipzig. Aber Hannover ist die größte Messestadt Europas geworden.

Vielleicht ist es schockierend für unser bundesdeutsches Gefühl augenblicklicher Selbstsicherheit, wenn wir uns an die Anfänge zurückerinnern. Vielleicht ist es auch spaßig, noch einmal nachzulesen, wie die erste Hannover-Messe des Jahres 1947 sich in den Augen des Unbefangenen darstellte: Dieser Unbefangene machte sich in einem Auto, dessen Reifen, wie er sich heute erinnert, er unterwegs dreimal reparieren mußte, auf den Weg, um diese Messe zu suchen, und, falls er sie fände, zu beschreiben. Hier sein Bericht, wie er damals in der ZEIT stand und wie er in das Buch „Deutschland im Jahre I“ aufgenommen wurde. (Nannen-Verlag, Hamburg.)

Die Messe an der Leine

„So sind die Deutschen!“, meinte der Gast aus Holland, der nicht versäumte, das schlanke, hochgewölbte Brücklein probeweise zu betreten, welches ihn so sehr in Erstaunen versetzt hatte. Diese Brücke, funkelnagelneu, spannte sich – „wie der Rücken eines Tigers“, würde Li Tei Pe singen – auf dem hannoverschen Messegelände über ein blinkendes Gewässer, das früher dort nicht geblinkt hat, umrahmt von blühenden Blumen, die vordem nicht dort geblüht haben. Wie aber sind die Deutschen?

„Die Deutschen“, sagte der Gast aus Holland, „sind so unfaßbar gründlich! Sie hungern wirklich, die Deutschen, nicht wahr? Aber es war ja nun einmal beschlossen worden, dieses Gelände schön zu machen. Zuerst schimpften sie ein bißchen – oder nicht? – und dann fingen sie an und machten alles viel schöner, als es notwendig gewesen wäre. Dies alles war – wie ich hörte – ein verrottetes Fabrikgelände. Und jetzt? Ein Paradies! Wie lange – sagten Sie – haben die Vorbereitungen gedauert?“