Man kann es den Finanzämtern gar nicht übelnehmen, daß sie zuweilen mißtrauisch werden bei dem, was ihnen hierzulande als „Reisespesen“ summiert vorgelegt wird. In keinem Lande der Welt wird soviel gereist wie in der Bundesrepublik Deutschland. Und es ist nicht nur Unruhe, welche uns hektisch durch die Lande treibt, kreuz und quer.

In der vergangenen Woche gehörte ich zu den hektisch Reisenden. Und wenn ein Journalist eine Reise getan hat, dann muß er was erzählen.

Im empfehlenswerten Darmstädter Hotel „Traube“ versammelten sich – ich traute meinen Augen nicht – so gut wie alle nennenswerten deutschen Verleger von Belletristik, um von da aus vor die Tore der Stadt zu ziehen und im Klubhaus des Studentenwerks (wohl den Studenten, die ein solches Haus haben) das vierzigjährige Bestehen der Deutschen Buch-Gemeinschaft zu feiern.

Da war von Rowohlt der Herr Ledig da und aus Köln der Doktor Joseph Caspar Witsch; aus München sah man Dr. Göpfert vom Hanser Verlag, und Klaus Piper wohl nur deswegen nicht, weil er gerade in Amerika ist (er hatte seinen Vertriebsleiter entsandt). Herr v. Wehrenalp vom Düsseldorfer Econ-Verlag fehlte ebensowenig wie Herr Doktor Hirsch, nunmehr Insel-Verlag. Wobei einem der S. Fischer Verlag einfallen könnte – auch er war würdig vertreten, doch das wäre ein anderes Thema.

Warum kamen sie – sie und mehr als hundert andere, die ich hier ja nicht alle aufzählen kann?

Ernst Leonhard, der Chef des Hauses, war ein vorzüglicher Gastgeber. Ein kaltes Büffet, an dem man frei essen kann (ich scheue wohl die Alliteration), erfreut sich bei uns seit längerem (genau: seit etwa zwölf Jahren) einer Anziehungskraft, welche wohlgenährte Staatsbürger zu ausgehungerten Rugby-Stürmern werden läßt; eine Bar, an der man frei trinken kann, erschien mir als der originellere und daher nachahmenswerte Einfall.

Aber bitte: das lockt doch keinen auch nur einigermaßen florierenden Verleger auf hunderte Kilometer Entfernung an. Lockend war vielmehr die Macht der Buchgemeinschaften hier und heute, die an sich weder gute noch böse Macht, die es einmal „wertfrei“ darzustellen, gälte. Das wäre eine literatursoziologische Studie wert.