Von Paul Laven

Daß die Fitneß des Mannes am Steuer im Rennsport eine ebenso große Rolle spielt wie die Leistungskraft des Wagens, ist bekannt, ausschlaggebend für den Erfolg ist der Zusammenklang.“ Juan Manuel Fangio fuhr fort: „Der Rennfahrer ringt vorweg um seine innere Balance. Nur der setzt sich durch, der das immer neue Rätsel aufgebende Gefährt in der Einsamkeit der Schnelljagd, der sich selbst zu bändigen weiß. Den Aberglauben der Toreros, die ihre Frauen daheimlassen, können wir uns nicht leisten.“ „Die Piloten müssen ihren Frauen viel zumuten, aber sie brauchen deren Beistand. Meine Laufbahn bestätigt das.“

Mir gingen Namen und Begegnungen durch den Kopf. Die Erinnerung an Alice Caracciola, Paula Stuck, Elly Rosemeyer-Beinhorn, an Fangios Donna Beppa, an Louise Collins und manche andere wurde wach.

Der Argentinier wiederholte: „Die Toreros wollen ihre Frauen nicht dabei haben, wenn sie in der Arena kämpfen. Wir Rennfahrer aber sind ruhiger, fühlen uns leichter, sicherer, wenn wir die Unseren in der Boxe wissen. Jedesmal, wenn wir vorbeibrausen, spüren wir, wie ihr Blick uns umfängt. Ascaris Frau gehörte zu den wenigen, die die große Anspannung und Aufregung nicht auf sich nehmen konnte. Sie blieb zu Hause, wenn Alberto ins Rennen ging.

... Auf dem Nürburgring, den ich so liebe, hatte ich 1954 die feste Absicht, Schluß zu machen mit den Rennen, als mein junger Landsmann Onofre Marimon beim Training vor den Augen seines Vaters zu Tode stürzte. Der Alte hatte zum erstenmal die Reise nach Europa gemacht, um seinen Sohn kämpfen zu sehen. Wenn Beppa, meine Frau, mir nicht Mut zugesprochen hätte, wäre meine Laufbahn sehr wahrscheinlich damals schon zu Ende gewesen. Dabei war ich mit dem Mercedes-Silberpfeil zusammengewachsen.

Viele, die ich schätzte und gern hatte, raffte es dahin. Dieser Schlag traf mich besonders hart. Ich war deprimiert wie noch nie. Nach langem Zögern ging ich dann doch ins Rennen. Es gelang mir sogar, den Sieg zu erringen. Aber den Druck wurde ich fortan nicht mehr los. Gonzales, mein argentinischer Kamerad, konnte. sich von der seelischen Erschütterung, die ihn nach dem Tode Marimons überfiel, nie mehr erholen.

Ob die Jungen, die, die jetzt kämpfen, sich für kommende Auseinandersetzungen bereitmachen, unempfindlicher sind? Ich glaube es fast.“