Von Walther Weber

An diesem Institut kann man nicht mehr vorbeigehen“, äußerte ein Konzernchef, als die Bank für Gemeinwirtschaft vor einigen Monaten entschlossen bei der Sanierung großer Unternehmen (Hugo und Otto Stinnes) eingriff. Seitdem ist manches geschehen, das die Richtigkeit dieses Ausspruchs unterstreicht. Die den Gewerkschaften und Konsumgenossenschaften nahestehende Bank leistete entscheidende Hilfestellung, als Münemanns Investitions- und Handels-Bank ins Gerede kam. Sie kaufte ein Viertel der Aktien des langjährigen Geschäftsfreundes und vermittelte die Veräußerung eines 26prozentigen Anteils an das Land Hessen. Sie erwarb vor einer Woche Interessen an der fünftgrößten privaten Bausparkasse, der Badenia, um auch auf diesem Sektor „mitreden, dabei sein und im Markt liegen“ zu können, wie es der Vorstandsvorsitzende Hesselbach formulierte.

Zuvor hatte sich das dynamische Institut zusammen mit Münemann je fast zur Hälfte an der neueröffneten Allgemeinen Hypothekenbank, Köln, beteiligt, mit anderen Partnern die Banque Hypothecaire Européenne S.A., Paris, gegründet, und in den Niederlanden Fuß gefaßt mit einem 50prozentigen Kapitalerwerb der N.V. Hollandsche Koopmansbank. Bereits in früheren Jahren hatte sie ihre Betätigung auf das Teilzahlungskreditgeschäft ausgedehnt, in dem heute fast 400 Millionen Mark der Bank angelegt sind.

Im Ausland hat die frühere Gewerkschaftsbank zahlreiche neue Korrespondenten gewonnen. Sie arbeitet beispielsweise mit dem Bankhaus Rothschild zusammen, als gäbe es keine Gegensätze mehr zwischen Kapital und Arbeit, zwischen Gewerkschaften und hochkapitalistischen Finanziers. In diesem Zusammenhang ist auch die Goodwill-Reise zu sehen, die der Aufsichtsratsvorsitzende der Bank Ludwig Rosenberg in diesen Tagen in die USA unternimmt: Sie soll auch für die BfG, wie die Bank kurz genannt wird, neue Kunden gewinnen und geschäftliche Impulse bringen.

Tatsächlich ist es der Bank, an deren Grundkapital von 95 Millionen Mark die einzelnen Industriegewerkschaften mit zusammen 49,8 Prozent und der Deutsche Gewerkschaftsbund sowie die Großeinkaufs-Gesellschaft Deutscher Konsumgenossenschaften mit je 25,1 Prozent beteiligt sind, in den letzten Jahren gelungen, aus dem begrenzten und risikoreichen Bereich einer Spezialbank herauszuwachsen. Nur noch 18 (Vorjahr 20) Prozent der Einlagen stammen aus dem Aktionärskreis, während es im Aktivgeschäft nach Angaben Hesselbachs 15 (11) Prozent sind, die vor allem im gewerkschaftseigenen Wohnungsbaugeschäft Verwendung finden. Im Jahre 1958 hatte der gewerkschaftliche und konsumgenossenschaftliche Anteil noch bei einem Viertel der Gesamtgeschäfte gelegen.

Heute ist die BfG unter einer aktiven Leitung zu einer bedeutenden Universalbank herangewachsen, die es mit dem „Kaufhaussortiment“ der Großbanken aufnehmen kann, geschäftstüchtig arbeitet und auch nichts von einer ideologischen Einengung ihres Geschäfts hält, wie die Gewerkschaften selbst bei Lohnerhöhungswünschen im eigenen Hause feststellen müssen.

Wie die Commerzbank, die Deutsche Bank und die Dresdner Bank verfügt sie über ein Niederlassungsnetz im gesamten Bundesgebiet. Wenn es auch nicht so dicht ist und die weißen Flecke auf der Landkarte nur langsam und stetig getilgt werden, die nunmehr 100 Geschäftsstellen ebnen den Weg zu den Kunden aller sozialen Schichten und Bevölkerungskreise. Nur die Statistik der Deutschen Bundesbank hat von dieser überregionalen Entwicklung noch keine Notiz genommen. Immer noch wird das Institut unter den „Regional- und Lokalbanken“ geführt, als wäre die Entwicklung auf dem Stand von 1957 stehen geblieben.