„Wenn England in British-Guayana das Verhältniswahlrecht einführt, streut es die Saat für ein neues Zypern aus.“ Diesen Kassandraruf stieß Mrs. Janet Jagan vorige Woche in London aus. Die Frau des Premierministers von Guayana, des indischen Zahnarztes Dr. Cheddi Jagan‚ eine ehemalige amerikanische Kommunistin, war an die Themse geflogen, um das von der britischen Regierung verordnete neue Wahlgesetz aufzuhalten. Jagans regierende, weit links stehende Fortschrittliche Volkspartei“ ist durch das Mehrheitswahlrecht an die Macht gelangt, würde sie aber bei einer Proporzwahl an die beiden anderen Parteien verlieren: an den „Nationalen Volkskongreß“ des schwarzen Rechtsanwalts Forbes Burnham und die „Vereinte Front“ des weißen Kaufmanns Peter d’Aguiar.

Die Bevölkerung der einzigen britischen Kolonie in Südamerika ist ein Gemisch aus zugewanderten ostindischen Landarbeitern und Handwerkern (300 000), rund 260 000 schwarzen Industriearbeitern, 25 000 Indianern und einigen Zehntausend Mischlingen, Weißen und Chinesen. Zusammenstöße zwischen Indern und Negern häufen sich; im November wird gewählt. Die Linke errechnet sich noch eine Chance, falls die britische Labour-Partei in den Unterhauswahlen siegt. Doch das reiche Land am Äquator bleibt ein Unruheherd. Die Situation wird kompliziert durch Gebietsansprüche Venezuelas.