ürk, Stuttgart

Die Mitarbeiter des Süddeutschen Rundfunks brauchen für die nächste Zeit kaum zu befürchten, daß man ihnen widrige Pannen vor Kameras und Mikrophonen höheren Ortes besonders heftig ankreiden wird. Passierte doch am Abend des baden-württembergischen Wahlsonntags dem Intendanten der Anstalt, Dr. Bausch, etliches Mißgeschick, wie es in diesem Ausmaß in den unteren Regionen der Ansagerinnen und Nachrichtensprecher kaum je verzeichnet werden mußte.

Zusammen mit zwei Kommentatoren saß Intendant Dr. Bausch vor den Sendegeräten, die Südfunk und Südwestfunk – beide Anstalten gemeinsam bedienen das Land Baden-Württemberg – coram publico im Stuttgarter Landtags-Restaurant installiert hatten, um dem deutschen Fernsehvolk einen lebensvollen Bericht über den Ausgang der Wahl zu geben.

Oblagen die einleitenden Meldungen noch den beiden Kommentatoren, so schaltete sich, als der Trend der Wahl offensichtlich war, der Intendant persönlich ein. Zu diesem Behufe hatte er sich mit Parteimännern umgeben. Freilich zeigte schon der erste Blick auf Bauschens Fernseh-Dämmerschoppen, daß die Führungsspitzen der südwestdeutschen Parteigremien nicht vollzählig vertreten waren. Von der SPD war Alex Möller gekommen, von der CDU der Geschäftsführer. Von den Freien Demokraten hatte das Fernsehteam des Südfunks niemand erreichen können. Bausch bemerkte: „Ich hoffe, daß Herr Justizminister Dr. Haussmann von der FDP nicht wegen des für ihn enttäuschenden Wahlergebnisses ferngeblieben ist.“

Die zivilen Zuschauer im Hintergrund grinsten schadenfroh, wußten sie doch, daß nicht nur Dr. Haussmann, sondern auch Ministerpräsident Kiesinger unweit der Kameras des Deutschen Fernsehens zu finden waren. Sie saßen nämlich, was der Fernsehtätige Bausch nicht wissen konnte, vor Fernsehkameras – freilich jenen des Zweiten Deutschen Fernsehens.

Stuttgarts Repräsentant der Mainzer Anstalt, Kustermann, servierte den Zuschauern des ZDF ein rundes und abschließendes Bild der Wahl, als ARD-Sprecher Bausch noch auf vage Vermutungen angewiesen war.

Freilich hatte Kustermann ein Einsehen. Er entließ die Koalitionsführer Kiesinger und Haussmann noch so rechtzeitig, daß Intendant Bausch nach der Spätausgabe der Tagesschau wenigstens den Ministerpräsidenten willkommen heißen konnte. Kiesinger wurde von Bausch mit der Erklärung überrascht, wegen „neuer Koalition“ sei nichts zu überlegen, da ja die CDU 39, FDP und SPD zusammen hingegen nur 58 Landtagssitze hätten. Kiesinger schaute ungläubig drein und meinte, er habe schon andere Zahlen gehört